Monika Bella Broner, Kontraststudie
Monika Bella Broner, Kontraststudie, 1929/30, Bleistift und Deckfarbe, Stofffetzen

Werklehre bei Josef Albers 1923-1933

Nach dem Ausscheiden von Johannes Itten übernahm Josef Albers einen Teil des Vorkurses und unterrichtete parallel zu Moholy-Nagy "Werklehre". Im Vordergrund stand die Werkarbeit, also das Kennenlernen handwerklicher Techniken anhand von Vorgaben, die direkt aus den Werkstätten kamen. Erprobt wurde der materialgerechte Gebrauch der wichtigsten Werkstoffe wie Holz, Metall, Glas, Stein und Stoff. Im Laufe des Kurses versuchte Albers, den Studierenden die wesentlichsten Eigenschaften der genannten Werkstoffe und den Umgang mit ihnen zu vermitteln. Zugelassen waren nur einfachste Werkzeuge.

Nach dem Ausscheiden von Moholy-Nagy 1928 gab Albers den gesamten Vorkurs allein. Die Werklehre mußte dafür weiterentwickelt werden. Albers ließ die Studierenden jetzt von einem Material ausgehen, dessen spezifische Qualitäten "entdeckt" werden sollten. Die Werkstoffe mußte so bearbeitet werden, daß keine Abfälle entstehen: Ökonomie war sowohl beim Material- als auch beim Arbeitseinsatz oberstes Prinzip. Dabei wurde im ersten Monat nur Glas bearbeitet, im zweiten nur Papier, im dritten eine Kombination von zwei Materialien, die nach der Untersuchung des Studierenden zueinander paßten und erst im vierten Monat war die freie Wahl der Grundstoffe möglich. Mit der eigenwilligen Auswahl an Rohmaterialien wollte Albers vermeiden, daß Lösungen von Studierenden aufgrund bereits gemachter Erfahrungen vorgeschlagen würden. Hier war vielmehr vorurteilsfreies Herangehen an eine gestellte Aufgabe zu entwickeln und auf neu erarbeiteten Erkenntnissen aufbauend das weitere Vorgehen auszuarbeiten. Wichtigstes Instrument der Schulung waren dabei dreidimensionale Studien , die nach präziser Aufgabenstellung auszuarbeiten waren, was ein freies Experimentieren ausschloß.

Daneben gehören graphische Darstellungen dieser Studienobjekte und ihrer Werkstoffe zum Unterricht, wie auch die Behandlung optischer Phänomene, besonders optischer Täuschungen. Beliebt waren hierzu Collagen.

Ein Grundsatz der Albers-Pädagogik war die weitgehende Selbständigkeit des Studierenden, mit dem Albers 'Finden' und 'Erfinden' anregen wollte. Sein Unterricht versuchte, auf die Einübung einer Arbeitsmethode zu verzichten, der Albers-Vorkurs lieferte keine 'Rezepte'. Stattdessen sollte der Studierende selbst 'Suchen' und selbständig ?Finden'. Derartige Vorgaben führen zu einem Unterrichtsstil, der starke Elemente des Selbstunterrichts aufweist.

Albers' Vorkurs war auf ein eindeutiges Ziel ausgerichtet, ein unbeeinflußtes Probieren gab es nicht. Das führte zu einer starken Zielgerichtetheit in der Unterrichtsarbeit, die die Erkenntnis der persönlichen Neigung und Eignung des Studierenden im Hinblick auf die weitere Ausbildung in den Werkstätten erproben und fördern sollte.