Lebensmittelladen aus normierten Einzelteilen
Hubert Hoffmann, Lebensmittelladen aus normierten Einzelteilen, 1930, Tusche und Tempera
Hubert Hoffmann, Lebensmittelladen aus normierten Einzelteilen
Hubert Hoffmann, Lebensmittelladen aus normierten Einzelteilen, Ausschnitt

Baulehre Hannes Meyer 1927-30

1927 wurde Hannes Meyer mit der Leitung des Architekturunterrichts beauftragt. Seine Baulehre stützte sich auf drei Grundannahmen:

  • aller Architekturunterricht muß auf wissenschaftlicher Grundlage erteilt werden. Jeder Ausarbeitung eines Gebäudes gehen deshalb Untersuchungen zur Nutzung voraus, aus denen heraus das Bauprogramm mit wissenschaftlicher Präzision entwickelt werden muß;
  • eine Optimierung aller notwendigen Bedürfnisse hat Vorrang vor künstlerischen Überlegungen;
  • aller Architekturunterricht muß anhand von Aufgaben aus der direkten Praxis erfolgen.Im theoretischen Teil der Ausbildung wurden intensiv Nutzungs- und Besonnungsstudien betrieben, deren Ergebnisse in Diagrammen festgehalten wurden, mit deren Hilfe Wissenschaftlichkeit nachgewiesen werden sollte. Für Meyer war Bauen nur Organisation, kein kreativer Vorgang. Das Aussehen von auf diese Weise erarbeiteten Entwürfen mit ihrem kantigen, detailarmen Erscheinungsbild, bei dem sich jede Einzelheit 'erklären' läßt, versuchte sowohl mit der herkömmlichen Bauästhetik zu brechen, als auch die Gestaltungsprinzipien des Neuen Bauens mit ihrer Betonung von Ausgleich und Rhythmus als überholt erscheinen zu lassen.

Den Praxisbezug konnte Meyer durch die Beauftragung zum Bau von vier Laubenganghäusern für die Stadt Dessau sichern. Planung und Ausführung lag allein in den Händen der Bauabteilung des Bauhauses. Geplant wurden Mietshäuser mit über einen offenen Außengang erreichbaren, flurlosen Kleinwohnungen mit zwei oder zweieinhalb Zimmern.

Die Bauabteilung wurde von Meyer auch zur Bauausführung des von ihm entworfenen Hauses der Bundesschule des ADGB in Bernau bei Berlin herangezogen. Alle Funktionen, die der Bau zu erfüllen hat, wurden zunächst wissenschaftlich herausgearbeitet; ihre architektonische Umsetzung sollte als logische Folgerung dieser Vorgaben erscheinen. Die Gliederung der gesamten Grundrißdisposition erklärte Meyer zwar aus der pädagogischen Notwendigkeit des Gemeinschaftslebens.Trotz hoher baulicher Standards innen und außen wirkte der Gesamtkomplex karg. Diese Wirkung war intendiert, um Vergleiche mit feudalen Anlagen zu vermeiden; für den Arbeiter sollte eine ihm eigene Form der Baugestaltung entwickelt werden. Bei der Ausstattung kamen bewährte Industrieprodukte zum Einsatz; die Bauhaus-Werkstätten wurden für besondere Aufträge hinzugezogen.