Kurt Schmidt, Der Mann am Schaltbrett
Kurt Schmidt, Der Mann am Schaltbrett, Szenenentwurf, 1924, Tempera, Tusche und Silberbronze
Xanti Schawinsky, Circus, Sszenenentwurf
Xanti Schawinsky, Circus, Sszenenentwurf, um 1924, Tempera, Tusche und Silberbronze

Bühne

Eine Bühnen-Abteilung gab es am Bauhaus von 1921 bis 1929; zunächst wurde sie von Lothar Schreyer geleitet, seit 1923 von Oskar Schlemmer. 'Den Sammelpunkt des Metaphysischen gegenüber den allzu sachlichen Tendenzen', nannte Schlemmer die Bauhausbühne, oder auch die 'Blume im Knopfloch des Bauhauses'. Tatsächlich nahm diese Werkstatt auf sehr eigenständige Weise an der Entwicklung des Bauhauses vom Handwerk zur Formgestaltung im industriellen Zeitalter teil.

Der expressionistische Maler und Dichter Lothar Schreyer beabsichtigte ein kultisches Gesamtkunstwerk, bei dem die Bühne zu einer Stätte der Reinigung und der Erlösung des Menschen werden sollte. Mit reinen Formen und Farben, oft in überlebensgroßen Ganzmasken, agierten die Spieler mit symbolbeladenen Bewegungen und Klängen. Dies war eine Deutung des Theaters, welcher die Bauhäusler in ihrer Mehrheit nicht zustimmten. Bei einer Probeaufführung des 'Mondspiels' kam es zum Eklat, der Schreyer veranlaßte, die Leitung der Bühnenwerkstatt niederzulegen und das Bauhaus zu verlassen.

Oskar Schlemmer, der nach ihm die Bauhausbühne übernahm, hatte sich bereits Jahre zuvor mit Fragen des modernen Tanztheaters befaßt und zwischen 1916 bis 1922 das 'Triadische Ballett' entwickelt, ein handlungsloses Kostümtheater, bei dem die aus geometrisch stilisierten Körperformen gebauten Kostüme durch ihre Eigenart den Tanz bestimmen. Auch die Bauhausbühne unter Schlemmer ging von der menschlichen Figur als mathematisch-geometrisch bestimmtem Typus aus. Ihr Arbeitsbereich umfaßte die Anfertigung von Masken, Kostümen und Requisiten, das Studium der mechanischen, optischen und akustischen Bedingungen der Bühnenarbeit, die szenische Raumgestaltung, Bewegungs- und Darstellungsstudien, Regieübungen und Aufführungen, die sowohl im Bauhaus selbst als auch auf Gastspielreisen stattfanden und dem Bauhaus damit viel Resonanz verschafften.

Wichtigster Schauplatz der Bauhausbühne war die Aula des Bauhausgebäudes in Dessau. Dort wurden Schlemmers 'Bauhaustänze' aufgeführt, aber auch Kandinskys 'Bilder einer Ausstellung' nach der Musik von Modest Mussorgsky. Bei den legendären Festen wurde regelmäßig die Bühne einbezogen, wobei die Bauhauskapelle eine große Rolle spielte. In der Ära Hannes Meyer und nach dem Ausscheiden Schlemmers 1929 wurde die Bauhausbühne auch zum Schauplatz eines politisch-agitatorischen Theaters.

Studierende wie Kurt Schmidt, Xanti Schawinsky oder Heinz Loew haben in allen Phasen des Bauhauses mit eigenen Sketchen, Kostümen und Theaterexperimenten zur Bühnenarbeit des Bauhauses beigetragen. Auch neue Theater-Architekturen wie das Kugeltheater von Andor Weininger wurden im Zusammenhang mit der Bauhausbühne entwickelt, blieben aber Utopie.