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Bauhausgebäude Dessau
Lucia Moholy, Bauhausgebäude Dessau, Balkon am Atelierhaus, 1926, Originalfotografie
Sport am Bauhaus
T. Lux Feininger, Sport am Bauhaus, um 1927, Originalfotografie

Fotografie

Zunächst spielte die Fotografie am Bauhaus kaum eine Rolle; sie gehörte in den Anfangsjahren nicht zum Lehrprogramm und wurde nicht als eigenständiges künstlerisches Ausdruckmittel verwendet. Erst László Moholy-Nagy gab 1923 den entscheidenden Anstoß zur Auseinandersetzung mit der Fotografie, aus dem sich das breite Spektrum ganz individueller Werke entwickelte, die von so herausragenden Fotografen wie Erich Consemüller, Andreas Feininger und T. Lux Feininger, Lucia Moholy oder Walter Peterhans, aber auch von vielen Studierenden mit ihren fotografischen Experimenten und Amateuraufnahmen geschaffen wurden.

Moholy-Nagy sah, ausgehend von der russischen Avantgarde, in der Fotografie das ideale schöpferische Medium für ein "Neues Sehen", fand in dieser "reinen Gestaltung des Lichtes" neue Möglichkeiten zur Wahrnehmung und Interpretation einer von der modernen Technik radikal veränderten Welt. Durch die abstrakten Licht-Bilder seiner Fotogramme, durch unkonventionelle Aufnahmeperspektiven und Bildausschnitte, durch Techniken der Montage, Collage oder Mehrfachbelichtung wurde Moholy-Nagy zu einem der Pioniere experimenteller Fotografie. Zugleich zählte er zu den ersten, die die Bedeutung der Fotografie als Instrument der Gebrauchsgraphik und Werbung erkannten. In seinen eigenen Publikationen, dann auch im Werk Herbert Bayers erhielt das "Typofoto", die Kombination von Bild und Schrift, eine zentrale Rolle.        

Anders als der Autodidakt Moholy-Nagy begann seine Frau Lucia Moholy mit einer gründlichen fotografischen Ausbildung. Ihr Ziel war weniger das Experiment als Objektivität, nicht das Spiel mit den Techniken der Fotografie, sondern die ebenso subtile wie unspektakuläre Auseinandersetzung mit der Realität im Sinne der "Neuen Sachlichkeit". Lucia Moholys dokumentarische, ursprünglich zur Verwendung in Publikationen und Presse vorgesehene Aufnahmen von Werkstattprodukten, Architektur und Innenräumen, aber auch ihre faszinierenden Porträts von Lehrern wie Studierenden des Bauhauses haben das Bild der Schule bis heute ganz entscheidend geprägt.

Erst die neue Unterrichtstruktur unter der Direktion Hannes Meyers brachte 1929 die Einrichtung einer Fotografieklasse am Dessauer Bauhaus unter der Leitung von Walter Peterhans. Hier lernten die Studierenden nicht nur fotografische Theorie und Praxis, sondern zugleich präzises Sehen. Als unerreichte Vorbilder wirkten Peterhans' eigene Fotos: ausgefeilt arrangierte, nahsichtige Stilleben aus unscheinbaren Fundstücken und Fragmenten, aus Textilien, Glas und Metall, aus einzelnen Fäden, Federn und Grashalmen. Formen und Texturen sind durch akribische Ausleuchtung in ihren letzten Nuancen erfaßt und zu fast magischer Wirkung gebracht, die Titel eröffnen eine zusätzliche, surrealistisch-poetische Dimension.

Am Dessauer Bauhaus gab es eine lebendige Foto-Szene, geradezu einen Foto-Boom: Viele fotografische Experimente von Bauhäuslern sind erhalten, darunter oft auch Schnappschüsse, in denen ein unbekümmerter Dilettantismus als schöpferische Kraft wirken kann. Und gerade hier ist vieles vom Alltag am Bauhaus, von der Arbeit, von den Festen, von seiner optimistischen und übermütigen Atmosphäre spürbar geblieben.