Paul Klee, Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung
Paul Klee, Die erhabene Seite, Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung im Sommer 1923, Farblithographie

Graphik

Eine Werkstatt für Druckgraphik gab es nur am Weimarer Bauhaus. Ihre künstlerische Leitung lag seit 1921 bei Lyonel Feininger, Handwerksmeister war der Lithograph Carl Zaubitzer.

Höhepunkte in der Arbeit der Werkstatt bilden die seit 1921 produzierten graphischen Zyklen und Mappenwerke der Bauhaus-Meister, darunter die "Zwölf Holzschnitte" Feiningers und Kandinskys Zyklus "Kleine Welten". Eine "Meistermappe des Staatlichen Bauhauses" wurde 1923 als erste Edition des "Bauhaus-Verlages" herausgegeben.

Parallel zu diesen Arbeiten begann schon 1921 das ehrgeizige Unternehmen der Mappenwerke "Neue Europäische Graphik", mit dem das Bauhaus den Anspruch verband, nicht nur die eigenen künstlerischen Ausdrucksformen, sondern darüber hinaus alle wichtigen Tendenzen der internationalen Avantgarde - vom Futurismus über Dada und Konstruktivismus bis zum Surrealismus - in einer fünfteilig angelegten Edition zusammenzuführen.

In der ersten Mappe stellen sich die Meister des Bauhauses vor, die folgenden enthalten Werke deutscher, italienischer und russischer Künstler. Eine Mappe mit französischer Graphik blieb Fragment. Die Namen der Beteiligten - von Chagall bis Schwitters, von de Chirico bis Kokoschka, von Archipenko bis Severini - machen den Rang dieses Kompendiums zur Künstlergraphik der zwanziger Jahre deutlich.

Die graphische Werkstatt druckte jedoch nicht nur diese Zyklen und viele Einzelblätter der Bauhausmeister, sondern stand auch den Studierenden für eigene Arbeiten zur Verfügung. Darüber hinaus nahm die Druckerei auch auswärtige Aufträge an, beispielsweise den Druck von Lithographien nach Werken Piet Mondrians und Alexander Rodschenkos.

Zugleich wurden hier die Fundamente zur künftigen Entwicklung der Gebrauchsgraphik am Bauhaus gelegt, denn im Zusammenhang mit Veranstaltungen und Publikationen der Schule gab es bereits erste Versuche im Bereich des Plakat- und Schriftentwurfs. Dazu gehörten die Bauhaus-Postkarten, die als originalgraphische Miniaturen weite Verbreitung fanden und in ihrer Verbindung von Bild und Schrift zu einem wichtigen Medium der Werbung für das Bauhaus wurden.