Wassily Kandinsky, Ohne Titel
Wassily Kandinsky, Ohne Titel, 1922, Aquarell und Tuschfeder, Aus dem Gästebuch Gottfried Galston
Paul Klee, Neues im Oktober
Paul Klee, Neues im Oktober, 1930, Öl, Wasserfarben und Tusche auf Baumwolle

Malerei

Obwohl die Baukunst stets das Ziel der Ausbildung blieb, wurden anfangs fast nur Maler als Bauhausmeister berufen: zunächst Feininger und Itten, dann Muche, Schlemmer, Klee, Kandinsky und Moholy-Nagy. Sie garantierten eine überragende künstlerische Qualität und eine stilistische Breite, die es so an keiner anderen Schule gab und nie wieder gegeben hat.

Feiningers kristalline Architekturen und Landschaften standen neben Schlemmers statuarischen Figurenbildern, Klees poetische Bildwelten neben Kandinskys Abstraktionen. Gab es zunächst noch ein Übergewicht expressionistischer Tendenzen, so wurde dies spätestens 1923 durch die Berufung des vom Konstruktivismus kommenden Moholy-Nagy korrigiert.

Einen Unterricht in reinen Malklassen gab es in Weimar und auch während der frühen Dessauer Periode nicht, denn von solchen akademischen Lehrstrukturen wollte sich das Bauhaus ja gerade lösen.

Stattdessen konnten die Künstler, neben ihren Aufgaben als Formmeister der Werkstätten, in eigener Initiative neue Wege des künstlerischen Grundlagenunterrichts erproben.

Von Anfang an versuchte sich auch die Mehrzahl der Schüler als Maler und Zeichner. Selbst in der funktionalistischen Dessauer Phase gab es, so wurde 1928 erstaunt festgestellt, "mehr Maler am Bauhaus, als man glauben möchte."

Hannes Meyer, seit 1928 Direktor der Schule, reagierte hierauf mit der Einführung freier Malklassen, die von Kandinsky und Klee geleitet wurden. Es ging dort in erster Linie darum, die künstlerische Produktion der Schüler unter Anleitung der Meister kritisch zu betrachten, um ihnen so Klarheit über die Wahl der Mittel und über deren Verhältnis zur angestrebten Aussage zu verschaffen, um eine Erziehung zum bewußten und eigenständigen Arbeiten.