Schachbrett und Schachfiguren
Josef Hartwig, Schachspiel, 1924, Kirschholz natur und schwarz gebeizt
Bauplastik aus Muschelkalk
Otto Werner, Bauplastik, 1922, Muschelkalk

Plastik

Das Bauhaus unterhielt in seiner Weimarer Phase zwei Bildhauerwerkstätten für die Werkstoffe Holz und Stein. Beide wurden anfangs von Johannes Itten als Formmeister betreut, seit 1922 von Oskar Schlemmer. Als Werkmeister arbeitete der Bildhauer Josef Hartwig, der vor allem durch sein puristisches Bauhaus-Schachspiel berühmt wurde. Zunächst sollten bauplastische Aufgaben, der programmatischen Ausrichtung des Bauhauses auf die Architektur entsprechend, im Vordergrund der Werkstattarbeit stehen. So lieferte die Holzbildhauerei 1921/22 unter anderem Reliefs und Schnitzereien für das von Walter Gropius und Adolf Meyer entworfene Haus des Unternehmers Adolf Sommerfeld in Berlin, die Werkstatt für Steinbildhauerei schuf zur großen Weimarer Bauhaus-Ausstellung im Sommer 1923 Wandgestaltungen in den beiden Schulgebäuden.

Von den freien Skulpturen, die daneben in beiden Werkstätten entstanden, hat sich wenig erhalten. Exemplarisch hierfür ist die "Bauplastik" von Otto Werner, die in ihrem block-haften Aufbau wie in der komplexen räumlichen Schichtung der kubischen Einzelformen Anklänge an Architekturformen des "Neuen Bauens" zeigt, aber zugleich Assoziationen an eine statuarisch aufgefaßte menschliche Figur weckt. Hier zeigt sich deutlich das Vorbild Oskar Schlemmers: Auch seine Plastiken und Reliefs arbeiten mit Überblendungen aus architektonischen und figurativen Elementen.

Lag in Weimar der Schwerpunkt auf der freien künstlerischen Arbeit, so trat dann in Dessau der kunstpädagogische Aspekt stärker in den Vordergrund. In der 1925 eingerichteten "Plastischen Werkstatt", geleitet von Joost Schmidt, wurde in Parallele zum Unterricht Klees und Kandinskys ein plastischer Elementarunterricht erteilt. Praktische Anwendungsmöglichkeiten boten sich in der Bühnengestaltung, im Modell- und Ausstellungsbau. Hierbei ergaben sich, etwa bei der Einbeziehung des Faktors Bewegung in die dreidimensionale Gestaltung, manche Berührungspunkte mit der Lehre und künstlerischen Arbeit von László Moholy-Nagy.