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Prospekt "the new bauhaus"
László Moholy-Nagy, Prospekt "the new bauhaus", Chicago 1937/1938

Nachfolge

Das 1937 in Chicago gegründete New Bauhaus war die unmittelbare Nachfolgeschule des 1933 unter nationalsozialistischem Druck aufgelösten Bauhauses. Zwar wirkten Bauhaus-Ideen auch andernorts in Amerika fort, doch wurde allein am New Bauhaus prinzipiell das volle, in Weimar und Dessau unter Walter Gropius entwickelte Ausbildungsprogramm aufgenommen und weiterentwickelt.

Der ehemalige Bauhaus-Meister László Moholy-Nagy, Gründungsdirektor und bis zu seinem Tode 1946 auch Leiter der 1938 aus dem New Bauhaus hervorgegangenen School of Design (seit 1944 Institute of Design), wollte durch ein diszipliniertes Experimentieren mit Materialien, Techniken und Formen die gestalterischen Fähigkeiten seiner Studierenden freisetzen. Dies entsprach dem am 'alten' Bauhaus praktizierten Vorkursprinzip, welches ebenso übernommen wurde wie die strikte Werkstattbindung in der Ausbildung. Vermehrt wurden natur- und humanwissenschaftliche Kenntnisse an die Studierenden vermittelt, und auch die Fotografie wurde im Chicagoer Bauhaus stärker berücksichtigt. Diesen Vorgaben entsprechend, gab es am New Bauhaus einen 'preliminary course' (später auch 'foundation course' genannt). Im 'basic design' wurden die Schüler mit der den verschiedensten Materialien bekannt gemacht (Holz, Furnier, Kunststoffe, Textilien, Metalle, Glas, Gips etc.), um so deren Struktur, Oberflächenwirkungen und Anwendbarkeit zu erlernen. Stärker als in Deutschland wurde der Einsatz maschineller Techniken trainiert.

Auf diesem Grundstudium bauten dann die verschiedenen Werkstätten auf, darunter 'light, photography, film, publicity', 'textile, weaving, fashion', 'wood, metal, plastics', 'color, painting, decorating' und andere, auch 'architecture'. Mit Lehrkräften wie Gyorgy Kepes, Nathan Lerner, Arthur Siegel oder Harry Callahan hat die Fotografie am Chicagoer Bauhaus vielleicht die bedeutendsten Leistungen aufzuweisen.

Während anfangs neben Moholy-Nagy mit Hin Bredendieck und Marli Ehrmann weitere Emigranten aus dem Bauhaus in Chicago lehrten, wurde das Lehrpersonal im weiteren Verlauf durch Amerikaner ergänzt. Auch die Methodik und die Ausbildungsziele wurden zunehmend an die amerikanischen Erfordernisse angepaßt. Dabei hielt sich auch noch Moholy-Nagys Nachfolger in der Leitung des Institute of Design, Serge Chermayeff, an die sich vom Bauhaus herleitenden erzieherischen Ansätze und das Ziel eines universal denkenden, ganzheitlich orientierten Gestalters. Dies änderte sich schrittweise durch die 1950 erfolgte Verschmelzung mit dem Illinois Institute of Technology, vor allem jedoch mit einer radikalen Umstrukturierung des Lehrprogramms seit 1955 durch den Industriedesigner Jay Doblin, das nunmehr sehr viel stärker auf ökonomische Zweckbestimmungen abstellte. Das Institute of Design selbst existiert noch heute als Teil des Illinois Institute of Technology in Chicago und gilt als eine angesehene, professionell orientierte Design-Hochschule.

Die vom deutschen Bauhaus nach Chicago übertragene und dort weiterentwickelte Methodik wurde von anderen amerikanischen Hochschulen in vielfach modifizierter Form übernommen. Sie hat in hohem Maße dazu beigetragen, daß die bis dahin in den Vereinigten Staaten vorherrschende Beaux-Art-Tradition zurückgedrängt wurde.