Friedl Dicker, Hell-Dunkel-Studie
Friedl Dicker, Hell-Dunkel-Studie, um 1920, Tusche und Deckfarbe

Der Vorkurs von Johannes Itten 1919-1922

Der Vorkurs, wie ihn Johannes Itten entwickelte und wie er nach seinem Ausscheiden von anderen fortgeführt wurde, gehörte zu den grundlegenden pädagogischen Einrichtungen der am Bauhaus betriebenen Lehre. Dem eigentlichen Unterricht vorgeschaltet, sollte er Grundlagen der Materialeigenschaften, der Komposition und der Farbenlehre vermitteln.

Im Zentrum standen das Erkennen und Gestalten von Kontrasten, die in unterschiedlichsten Formen und Materialien ausgearbeitet wurden, wobei die gegenseitige Beeinflussung zweier Elemente zu berücksichtigen war. Der Hell-Dunkel-Kontrast gehörte für ihn zu den wichtigsten und ausdrucksvollsten Gestaltungsmitteln. Dem Kontrast wurde in den unterschiedlichsten Bereichen nachgespürt: in Naturmaterialien und ihren Texturen ebenso wie in freien plastischen Formen.

Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Materiestudien, bei denen kontrastierende Materialeigenschaften sinnlich erfahrbar dreidimensional montiert und zeichnerisch dargestellt werden mußten. Gleichzeitig konnte der Studierende den Umgang mit verschiedenen Werkstoffen erlernen.

Die Eigenschaften abstrakter Formenelemente wurden anhand von streifenförmigen Studien geprüft. Der Kreis bedeutete für Itten die Bewegung, das Quadrat Ruhe und das Dreieck beinhaltete einen heftigen Richtungskontrast. Die Eigenschaften konnten zeichnerisch hervorgehoben oder durch entsprechende Anordnung neutralisiert werden.

Naturstudien zielten darauf ab, Gegenstände in ;Tonwerten und charakteristischen Formen' zu erfassen und zeichnerisch vor dem Objekt oder aus der Erinnerung möglichst treffend wiederzugeben: Die Studien sollten aus dem inneren Erleben heraus gestaltet werden. Diese Sachdarstellungen treffen die stofflichen Eigenheiten der Vorbilder oft täuschend genau."Analysen alter Meister" dienten im Zusammenhang mit Kontrast-, Form- oder Farbuntersuchungen der gefühlsmäßigen Erfassung von Formen, Farben und der Dynamik eines Kunstwerks.

Beliebtestes Hilfsmittel zur Darstellung war die Zeichenkohle, die feinste Nuancierungen zuließ und deren Anpassungsfähigkeit von den Studierenden voll ausgenutzt wurde. Daneben entstanden aber auch vielgestaltige dreidimensionale Strukturen und Collagen.