Durchdringung. Drei Farben in einer Form, Aquarell
Lena Meyer-Bergner, Durchdringung. Drei Farben in einer Form, Aquarell, 1927

"Elementare Gestaltungslehre" bei Paul Klee 1921-1931

Paul Klees Übung sollte als Ergänzung zum Vorkurs den Umgang mit formalen Mitteln erklären. Am Anfang standen dabei die Eigenschaften der Linie. Klee ging von der Betrachtung zweier in einem Punkt konvergierender Linien zur Behandlung der dritten Dimension aus und ihrer perspektivischen Darstellung weiter. Daraus entwickelte er das Symbol des Gleichgewichts, die Waage. Vom Kunstwerk forderte er bildnerische Harmonie, einen Ausgleich von Bewegung und Gegenbewegung. Das Phänomen der Bewegung illustrierte er an Kreis und Pendel, an Spirale und Pfeil.

Klees Farbenlehre mit ihrem durchgängigen Prinzip der Bewegung stellte einen eigenständigen Beitrag zur Geschichte der Farbenlehre dar. Ausgangspunkt war das Naturphänomen des Regenbogens, deren sechs Farben Klee durch die Anordnung im Kreis aufeinander bezog. So entstand ein sechsteiliger Farbkreis, bei dem sich die Beziehungen der Farben untereinander aus zwei Bewegungsarten ergaben: entweder eine kreisförmige, dem Rand folgende, oder eine gerade, den Kreisdurchmesser nutzende, wobei er auch hier auf das Modell der Pendelbewegungen zurückgriff. Aus der Kreisform leitete er ein Farbdreieck mit den Grundfarben ab, das er durch die Nichtfarben Schwarz und Weiß zu einem 'Elementarstern' erweiterte.

Klees Lehre ist ein geschlossenes, vom Harmoniedenken bestimmtes Sytsem. Sie ist letztlich nicht rational, so einleuchtend sie zum Teil auch sein mag. Trotzdem war die Wirkung seines Unterrichtes groß, besonders in der Weberei, für die er eigene Kurse abhielt. Hier lag das Schwergewicht auf der Entwicklung von Mustern durch die Vermehrung von Elementen (Verschiebung, Spiegelung und Drehung sowie Unterbrechung und Umkehrung), Systematik der Flächenteilung und der damit verbundenen Entstehung mehrerer Zentren. Hinzu kamen Studien zur rhythmischen Anordnung der Musterelemente und eine erweiterte Farbenlehre. Das Quadrat erwies sich dabei als ein universell einsetzbares Übungselement, das sich in vielen Entwürfen und ausgeführten Webereien wiederfindet. Die Farbwahl vieler Textilien verweist ebenfalls auf das Vorbild Klee. Nachschriften seines Kurses beweisen, wie nüchtern und fast praktisch Klees Unterrricht auch sein konnte.

Auch Klee hält ab 1928 freie Malklassen ab, zu denen ausgewählte Studierende Zutritt hatten. Für Klee und Kandinsky wird hiermit das Meisterklassensystem der Kunstakademien auf das Bauhaus übertragen. Die Ergebnisse lassen sich mit denen akademischer Schulung durchaus vergleichen.