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Gleichgewichtsstudie, Holz und Metallteile,
Gleichgewichtsstudie, 1924, Holz und Metallteile, Rekonstruktion 1967

Der Vorkurs von László Moholy-Nagy 1923-1928

Nach dem Ausscheiden von Johannes Itten wurde der Vorkurs aufgeteilt: Die mehr theoretische Seite übernahm Moholy-Nagy, die praktisch orientierte Josef Albers.

Moholy-Nagys Vorkurs hatte drei Schwerpunkte. Am Anfang sollte der Studierende lernen, Elemente so zusammenzustellen, daß sie einem vorgefaßten Ausdruckswunsch entsprechen. Ergebnis waren sogenannte Tasttafeln, die den Tastsinn schulen sollten. Die Materialzusammenstellung auf diesen Tafeln erfolgte nach genau definierten Kriterien. Teil der Aufgabe war darüber hinaus, die Empfindungswerte,das Erfühlte bzw. Registrierte, durch 'Tastdiagramme' festzulegen und damit allgemein nachvollziehbar zu machen.

Den zweiten Schwerpunkt bildeten Übungen zur Unterscheidung von Komposition und Konstruktion. Komposition bedeutete für Moholy-Nagy das Herstellen eines Gleichgewichts zwischen genau definierten Bestandteilen durch Änderung der Gesamtkomposition, etwa Einschieben weiterer Elemente. Seine Aufgabenstellungen sahen dagegen die Erarbeitung von Konstruktionen vor, Gebilden, die im Idealfall in allen Punkten ihrer technischen und geistigen Relationen von vornherein bestimmt waren und bei denen Änderungen die vorgesehene Kräfteverteilung zunichte machen würde.

Der bekannteste Teil des Kurses von Moholy-Nagy sind die dreidimensionalen Studien, mit deren Raumerfahrung herausgebildet und in seinem Sinne konstruktive Lösungen zu erarbeiten waren. Besonderen Raum nahmen dabei Gleichgewichtsstudien ein, bei denen aus einfachsten Elementen und Materialien Objekte zu konstruieren waren, die sich optisch und real in der Balance befanden. Mit dieser Aufgabenstellung sollten den Studierenden die Grundlagen einer visuellen Ästhetik wie Maß und Proportion, Statik und Dynamik vermittelt werden und sie mit unterschiedlichen Eigenschaften wie Gewicht, Elastizität oder Dichte von verschiedenen Materialien vertraut machen.

Trotz der Systematik der Aufgabenstellungen hatte Moholy-Nagys Lehrsystem keine ausschließlich rationale Basis. Er selbst hat immer wieder auf die Rolle der Intuition bei der Gestaltung hingewiesen und betont, bewußte Analyse sei nur ein Teil des Schaffensprozesses, die intuitive Schwungkraft dürfe nicht fehlen. Formeln allein konnten für ihn nie die Basis des schöpferischen Prozesses sein.