Becher mit Portrait von Otto Lindig
Theodor Bogler und Gerhard Marcks, Becher mit Portrait von Otto Lindig, 1922, Hochgebrannte Irdenware, Schlickermalerei

Die keramische Werkstatt

Die keramische Werkstatt des Bauhauses lag außerhalb von Weimar in Dornburg an der Saale. Eine kleine Gruppe von Lehrlingen arbeitete hier seit 1920 gemeinsam mit dem Bildhauer Gerhard Marcks als künstlerischem Leiter und dem Töpfermeister Max Krehan. Die handwerklichen Grundlagen des Drehens, Glasierens und Brennens vermittelte Krehan in der Herstellung einfacher Gebrauchsgefäße, deren Formen und Dekore noch ganz in der Tradition der Thüringer Bauerntöpferei blieben. Marcks inspirierte die fortgeschrittenen Lehrlinge dann zu Experimenten mit freien, skulpturalen Gefäßformen.

Seit 1922 arbeiteten die Gesellen Otto Lindig und Theodor Bogler an der Entwicklung neuer Modelle für Gebrauchskeramik, die im Gießverfahren in kleinen Serien hergestellt wurden und zugleich zur industriellen Produktion geeignet sein sollten. Ganz neue Wege ging Theodor Bogler dabei mit seinen Teekannen, die sich nach dem Baukastenprinzip aus vorgefertigten Einzelteilen zu verschiedenen Formvarianten montieren ließen. Die angestrebte Kooperation mit der Keramikindustrie blieb zunächst jedoch auf Ansätze beschränkt: Es fanden sich damals nur wenige Hersteller, die die eigenwilligen Formen der Bauhaustöpfer versuchsweise in ihre Produktion aufnahmen, darunter die Staatliche Porzellanmanufaktur Berlin und die Steingutfabriken Velten-Vordamm.

Nach der Schließung des Weimarer Bauhauses im Jahre 1925 wurde in Dessau keine Töpferei mehr eingerichtet. Die in Dornburg ausgebildeten Keramiker gründeten eigene Werkstätten oder arbeiteten - wie Theodor Bogler, Otto Lindig und Marguerite Friedlaender - weiterhin mit der keramischen Industrie zusammen.