Haus Auerbach, Jena, Farbplan Erdgeschoss,
Alfred Arndt, Farbgestaltung des Hauses Auerbach, Jena, 1924, Tusche und Tempera
Alfred Arndt, Farbgestaltung des Hauses Auerbach
Alfred Arndt, Farbgestaltung des Hauses Auerbach, Aussschnitt Schlafzimmer

Werkstatt für Wandmalerei

Die frühen, unter Mitwirkung des Bauhauses ausgeführten Ausstattungen von Villen muten heute sehr eigenwillig an: Farbenwahl und Durcharbeitung des Entwurfs sind weder mit späteren Arbeiten vergleichbar, noch entsprechen sie dem, was heute allgemein unter Farbigkeit in den zwanziger Jahren verstanden wird. Trotz manchmal ungewöhnlicher Farbwahl, wie etwa bei den Berliner Villen von Gropius und Meyer, bleibt das Primat der Architektur unangetastet.

Mit der Berufung von Wassily Kandinsky als Formmeister gilt das Interesse der Werkstatt dem großformatigen Wandbild, das gegenüber der Wand kompositionelle Unabhängigkeit besaß. Kandinskys eigener Raum aus der Juryfreien Kunstausstellung in Berlin 1922 und die verschiedenen Wandgestaltungen von Oskar Schlemmer in Weimar sind Hauptwerke dieser Entwicklung.       

In den späten Weimarer und den frühen Dessauer Jahren erfolgt eine Rückkehr zur architekturgebundenen Ausmalung. Einige Entwürfe versuchen dabei, Räume durch farbliche Akzentuierung zu gliedern, und mit Hilfe von Farbe Teilräume zu schaffen. Wände, Fußböden und Decken werden durch gleiche farbliche Behandlung vereinheitlicht und verräumlicht.

Hinnerk Scheper, seit 1925 Leiter der Werkstatt, entwickelt dagegen ein Konzept, das sich ganz der Architektur unterordnet. Die von Scheper ausgewählten Farben sind nicht bunt, sondern helle Pastelltöne, deren Farbwirkung durch vielfältige Grautöne verstärkt wird. Differenzierungen durch Farbe werden so vorgenommen, daß die Architektur nicht angetastet wird.

So ist auch sein Unterricht stark handwerklich orientiert. Er fordert zum Beispiel die Anfertigung einer umfangreichen Farbtonskala für Ölmalerei und vermittelt die verschiedenen Techniken bei der Herstellung von Farbschattierungen beispielsweise durch Spritzverfahren und Rasterung. Kenntnisse der unterschiedlichen Grundstoffe der Farben hält er für ebenso unentbehrlich wie ein Fachwissen über die vielfältigen Farbträger wie Putze.

Trotz dieser Betonung des Gestaltens aus dem Handwerklichen wird ab 1929 die Bauhaus-Tapete als Industrieprodukt entwickelt. Vorgesehen für die Wohnung im Siedlungsbau der Zeit bringt sie kleinteilige Muster in gedämpften Farben und kann durch ihre Funktionsgerechtigkeit zum erfolgreichsten am Bauhaus entwickelten Produkt werden.