Walter Gropius und Adolf Meyer (Entwurf), Einsendung zum Wettbewerb für ein Bürogebäude der Chicago Tribune, Chicago, Perspektive des Tribune Tower von Südwesten, 1922 / Bauhaus-Archiv Berlin

Walter Gropius und Adolf Meyer (Entwurf), Einsendung zum Wettbewerb für ein Bürogebäude der Chicago Tribune, Chicago, Perspektive des Tribune Tower von Südwesten, 1922 Bauhaus-Archiv Berlin

Architektur 

Das Manifest des Bauhauses hatte den Bau, der als Gesamtkunstwerk die verschiedenen Künste sowie das Handwerk vereinen sollte, von Beginn an als höchstes Ziel der Ausbildung angesehen. Dennoch wurde eine eigene Architekturabteilung am Bauhaus erst 1927 mit der Berufung von Hannes Meyer eingerichtet. Walter Gropius hatte die Studierenden bis dahin vor allem an Aufträgen seines eigenen Büros mitwirken lassen. Sein Ziel war die Zusammenarbeit aller Lehrbereiche am „Bau der Zukunft“. Meyer hingegen sah die bisherige Bauhausarbeit als rein formale Entwicklung an, deren Erzeugnisse für bürgerliche Kreise gemacht waren. Er wollte für breite Volksschichten gestalterisch tätig werden. Grundlage der Architektenausbildung war deshalb die Ermittlung der Bedürfnisse der Nutzer; künstlerische Belange wurden dem untergeordnet. Unter dem dritten Direktor Mies van der Rohe wurde die Architektur schließlich zum beherrschenden Lehrgebiet. Orientiert an Mies' eigenem Werk, traten ästhetische Fragen stark in den Vordergrund. Ludwig Hilberseimer balancierte dies mit Übungen, die aufs Praktische zielten, aus. So gaben die drei Bauhaus-Direktoren – allesamt bedeutende Architekten – der Lehre ihr persönliches Gepräge. Eine einheitliche "Bauhaus-Architektur" hat es deshalb nicht gegeben.