Lou Scheper, Genesungswünsche für Ise Gropius, 1925

Nachlass der Bauhäusler Hinnerk und Lou Scheper

Die Künstler Hinnerk und Lou Scheper haben das Bauhaus entscheidend geprägt. Darüber hinaus hatten sie einen entscheidenden Anteil an der künstlerischen und denkmalpflegerischen Entwicklung Berlins in den Nachkriegsjahren. Zum einzigartigen Nachlass des Paares gehören Farbgestaltungen, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Möbel, Designobjekte, Dokumente und Korrespondenzen sowie eine umfassende Bibliothek mit seltenen Ausstellungskatalogen, Broschüren und Zeitschriften der 1920er-Jahre.

Der Nachlass Hinnerk und Lou Scheper
Sowohl Hinnerk als auch Lou Scheper zählen zu zentralen Persönlichkeiten am Bauhaus. Hinnerk Scheper schrieb sich bereits 1919 in Weimar am Bauhaus ein und schloss sein Studium 1922 in der Werkstatt der Wandmalerei ab, an die er 1925 von Walter Gropius als deren Leiter zurückberufen wurde. Unterbrochen von einem Aufenthalt in Russland blieb er bis zur Schließung des Bauhauses 1933 als Professor tätig und prägte damit die Lehre nachhaltig. Nachdem er sich während des nationalsozialistischen Regimes mit Wandmalereien über Wasser halten konnte, wurde er 1945 zum Konservator und Leiter des Denkmalamts für Berlin bestellt und wirkte maßgeblich am Wiederaufbau der Stadt Berlin mit. Lou Scheper kam 1920 ans Bauhaus, wo sie die Möglichkeiten interdisziplinären Schaffens eingehend nutzte und mit Farbgestaltungen und Bühnenarbeiten hervortrat. Seit 1922 mit Hinnerk Scheper verheiratet, begleitete sie ihren Ehemann auf seinen Stationen und entwickelte dabei ein ausgesprochen großes Talent für freikünstlerische Arbeiten, so dass sie zurecht als eine der wenigen aus dem Bauhaus hervorgegangenen Malerinnen gelten kann.

Die Farbpläne Hinnerk Schepers zählen zu den bedeutendsten Auseinandersetzungen mit Farbe, Architektur und Raum der 1920er-Jahre. Für das Bauhaus-Gebäude in Dessau entwickelte er ein Leitsystem, bei dem Farbwerte den einzelnen Funktionsbereichen zugeordnet werden. Seine für öffentliche Bauten wie die Klinik Münster, das Schlossmuseum Weimar und das Folkwang Museum Essen entstandenen Farbschemen zeigen sein Können, durch die Anordnung von Farbfeldern in subtilen Farben auf die jeweiligen funktionalen Anforderungen einzuwirken und zugleich eingängige atmosphärische Stimmungen zu erzeugen. Ergänzt werden diese durch seinen umfangreichen zeichnerischen und druckgrafischen Nachlass.

Mit dem umfassenden künstlerischen Nachlass von Lou Scheper liegt das herausragende Oeuvre einer Bauhaus-Malerin vor. Ihre Aquarelle zeigen ein breites Spektrum von der frühen Auseinandersetzung mit Paul Klee über surreal anmutende Pflanzen- und Stadtlandschaften bis hin zu Bühnenarbeiten für Oskar Schlemmer. Insbesondere ihre gewitzten und präzise beobachteten Bilderbriefe geben auf poetische Weise Einblicke in das dichte Beziehungsgeflecht am Bauhaus. Eine Besonderheit stellen die Möbel, Spielzeuge und Keramik aus dem Nachlass Hinnerk und Lou Scheper dar. Darunter befinden sich einmalige Designikonen des Bauhauses von Marcel Breuer, Erich Dieckmann oder Alma Buscher. Darüber hinaus finden sich in der Sammlung Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken unter anderem von Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger. Ergänzt wird das Konvolut durch mehr als 10.000 Fotografien mit Spitzenwerken von Lucia Moholy-Nagy, Florence Henri oder Josef Albers sowie die Nachlassbibliothek mit rund 550 Büchern und 400 Zeitschriften, darunter originale Bauhausbücher und die Bauhaus-Zeitschrift. Die umfangreichen Dokumente zur Geschichte des Bauhauses, zur Denkmalpflege der Nachkriegszeit und zu bedeutenden Bauten – etwa der Philharmonie oder der Staatsbibliothek Berlin – sowie die komplette berufliche und private Korrespondenz des Paares mit knapp 3.000 Briefen und Postkarten sind insbesondere für die Stadt Berlin von außerordentlicher Relevanz, liefern sie doch umfangreiche Erkenntnisse über die Bautätigkeit der Nachkriegszeit und damit zentrale Informationen zur Geschichte der Stadt.