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Landesbildstelle 1976
Bauschild der Baustelle des Bauhaus-Archivs, Foto: Landesarchiv Berlin
Das Bauhaus-Archiv im Bau
Das Bauhaus-Archiv im Bau
Das Bauhaus-Archiv im Bau
Das Bauhaus-Archiv im Bau, Foto: Wolf Lücking

Das Gebäude des Bauhaus-Archivs

Walter Gropius hatte immer darauf bestanden, daß die Institution "Bauhaus-Archiv" absolut unabhängig sein müsse. Als Abteilung innerhalb eines bestehenden Museums konnte er sich dieses Archiv nicht vorstellen. Aus der eigenen Erfahrung mit dem historischen Bauhaus wußte er darüber hinaus, daß sich viele Entscheidungen nur in einem eigenständigen Institut durchsetzen ließen. Angeregt durch die Euphorie, die die Beauftragung von Mies van der Rohe mit dem Bau der Neuen Nationalgalerie in Berlin 1962 auslöste, fragte der Gründungsdirektor des Bauhaus-Archivs, Hans Maria Wingler, kurz danach bei Gropius an, ob er für das von ihm mitgegründete Bauhaus-Archiv nicht ein Gebäude entwerfen wollte.

Gropius, der sich des Werbewerts von Gebäuden bewußt war, konnte sich dieser Aufgabe nicht entziehen und gestaltete nach einem von Wingler vorgelegten Flächenplan für die Darmstädter Rosenhöhe einen Komplex, deren Baugruppen bedingt durch die Hanglage eine leicht verschobene H-Form aufwiesen. Für die Belichtung der Ausstellungsräume schlug Gropius Shed-Dächer vor. Wingler akzeptierte diese Planung ohne Einwände, konnte sie aber politisch nicht durchsetzen. Für ein gerade erst gegründetes Institut schien den Stadtvätern, ein so prominentes, weithin sichtbares Gebäude auf der höchsten Erhebung Darmstadts zu errichten, zu hoch gegriffen. Gropius gelang es jedoch, auf einem seiner zahlreichen Berlin-Besuche Bausenator Rolf Schwedler für das Bauhaus-Archiv zu interessieren. Von den drei vom Senat zur Auswahl gestellten Grundstücken wählte Gropius eines am Landwehrkanal, das im Gegensatz zum Darmstädter völlig flach war.

Auf ein Angebot des Senats hin konnte das Bauhaus-Archiv 1971 nach Berlin umziehen und erhielt die Zusicherung, den von Gropius entworfenen Bau in Berlin errichten zu können. Die deswegen notwendigen Umplanungen übernahm sein ehemaliger Mitarbeiter Alex Cvijanovic zusammen mit dem Berliner Architekten Hans Bandel. Dieser Prozeß der Adaption erwies sich jedoch als schwierig und zeitaufwendig, einschneidende Veränderungen an der Planung ergaben sich auch aus politischen Entscheidungen und finanziellen Engpässen. Erst 1976 konnte der Grundstein für ein Gebäude gelegt werden, das außer der allgemeinen Grundrißdisposition und der Silhouette dann nur noch wenig mit dem Entwurf von 1964 gemein hatte. Auf Grund seiner einfachen Struktur schritt der Bau schnell voran und im Januar 1979 konnte die Schlüsselübergabe an die zukünftigen Nutzer erfolgen.

Bei der feierlichen Eröffnung im Dezember 1979 wurde in der Presse nur die erstmals darin in ihrer ganzen Breite ausgestellte Sammlung positiv besprochen; für Max Bill war der Bau sogar ein "verkorkstes Alterswerk". Das heute das Museum in immer noch steigender Zahl besuchende Publikum sieht das jedoch anders: Die einprägsame Silhouette des Gebäudes ist zu einem Markenzeichen in der Stadt geworden, gelobt wird das unprätentiöse Innere des Museums. Offenbar werden die Qualitäten des Baus erst mit zunehmenden Alter sichtbar: ein vielsagendes Anzeichen dafür könnte sein, daß das Museumsgebäude 1997 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Zum Erfolg des Bauhaus-Archivs bei einem überwiegend internationalen Publikum am letzten Standort des Bauhauses haben eine lebendige Aufarbeitung der Geschichte dieser Institution anhand einer alle Bereiche umfassenden Sammlung sowie ein attraktives Ausstellungsprogramm entscheidend beigetragen. Die seit 1989 veränderte Lage des Bauhaus-Archivs in der Mitte der Stadt werden seiner Arbeit neue Impulse geben.