László Moholy-Nagy, Titelseite zu: "Staatliches Bauhaus Weimar 1919-1923", 1923, Buchdruck
László Moholy-Nagy, Titelseite zu: "Staatliches Bauhaus Weimar 1919-1923", 1923, Buchdruck
Plakat zur Bauhaus- Ausstellung in Weimar, 1923
Joost Schmidt, Plakat zur Bauhaus- Ausstellung in Weimar, 1923, Farblithographie

Werkstatt für Typographie und Reklame

In den ersten Jahren des Weimarer Bauhauses spielte die Typographie noch nicht die zentrale Rolle, die ihr später zukam. Schrift war für Bauhausmeister wie Johannes Itten oder Lothar Schreyer in erster Linie ein künstlerisches Ausdrucksmittel. Praktische Anwendungen waren anfangs selten und blieben auf kleinere Drucksachen beschränkt.

Die Situation änderte sich 1923 grundlegend mit der Berufung Moholy-Nagys, der die Ideen der Neuen Typographie am Bauhaus einführte. Schrift galt ihm vor allem als Medium der Kommunikation; es ging ihm um "klare Mitteilung in ihrer eindringlichsten Form". Die Werbung zur großen Weimarer Bauhaus-Ausstellung im Sommer 1923 zeigt bereits deutlich seinen Einfluß. Moholy-Nagy entwarf das Layout für die Begleitpublikation zur Ausstellung und übernahm dann auch die typographische Gestaltung für die 1925 eröffnete Reihe der "Bauhausbücher".

Von nun an war die Typographie am Bauhaus ganz wesentlich mit der Eigenwerbung, mit der Entwicklung eines unverwechselbaren Erscheinungsbildes für die Schule verbunden. Gestaltungsmittel waren klare, schmucklose Druckschriften, die Gliederung und Akzentuierung der Seiten durch einprägsame Zeichen oder farbige typographische Elemente, schließlich eine direkte Information durch die Verbindung von Schrift und Fotografie, für die der Begriff "Typofoto" geprägt wurde.

Hinzu kam der Aspekt der Ökonomie im Gebrauch genormter Formate und zeitweise auch einer vereinfachten Orthographie, insbesondere der Kleinschreibung.

Neben Moholy-Nagy traten schon in Weimar auch Joost Schmidt und Herbert Bayer hervor. Bayer übernahm am Bauhaus Dessau die Leitung der neu eingerichteten Druck- und Reklamewerkstatt und konnte sie innerhalb kurzer Zeit zu einem professionell arbeitenden Atelier für Graphik-Design ausbauen. Er arbeitete intensiv an der Entwicklung avantgardistischer Druckschriften, und in seinen Plakaten und Drucksachen zeigt sich die Auseinandersetzung mit den aktuellen Erkenntnissen der Werbepsychologie.

Bayer hat nach dem Ausscheiden aus dem Bauhaus im Jahre 1928 seine Arbeit zunächst in Deutschland, später in den USA fortgeführt und wurde zu einem der einflußreichsten Graphik-Designer des zwanzigsten Jahrhunderts.

Seine Nachfolge am Bauhaus übernahm Joost Schmidt. Er führte einen systematischen Unterricht für Schriftentwurf und Werbegraphik ein, den er nun auch auf die Praxis des Ausstellungsdesigns ausdehnte. Anwendungsmöglichkeiten für experimentelle Präsentationsformen aus Architektur, Plastik, Fotografie und Typographie boten sich in Wanderausstellungen des Bauhauses ebenso wie auf Messen im In- und Ausland, die von der Werbewerkstatt gestaltet wurden.