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Pius Pahl, Haus C, Eingangsbereich
Pius Pahl, Haus C, Eingangsbereich, 1931
Rudolf Ortner, Einraumhaus: Raumbild,
Rudolf Ortner, Einraumhaus: Raumbild, 1932, Tusche Katalogausschnitt

Architekturunterricht unter Mies van der Rohe 1930-33

Die Berufung von Ludwig Mies van der Rohe als Direktor des Bauhauses war Programm: nicht nur sollte er das Bauhaus wieder näher an diejenigen heranbringen, die seine Arbeit unterstützten, nicht nur die von Meyer begonnenen Reformen weiterführen, sondern seine künstlerische Persönlichkeit stand auch für ein neues Erscheinungsbild des Bauhauses, insbesondere im architektonischen Bereich.

Der von Mies konzipierte Unterrichtsaufbau reflektierte seine eigenen Erfahrungen: als erste Stufe war eine solide Kenntnis der Bautechnik unumgänglich, gefolgt von Studien zu verschiedenen Gebäudearten und darauf aufbauend der städtebauliche Entwurf. Mies hatte sich den Unterricht in den letzten Semestern vorbehalten: Die von ihm entwickelte Architektursprache bildete die Grundlage für seinen Unterricht. Lösungen für von ihm gestellte Aufgaben waren in seinem Werk zu finden, dessen ungeschriebene Regeln in Bezug auf Struktur und Gestaltung es zu erfassen und nachzuvollziehen galt. Mies hielt es für fruchtbarer, Modelle anzubieten und im Unterricht weiter zu bearbeiten, als die Studierenden mit einer Methode allein zu lassen.       

Auch bei ihm mußten Häuser 'funktionieren',die Nutzung eines Hauses und seine architektonische Gestaltung waren aber in ein Gleichgewicht zu bringen, die beiden zu ihrem Recht verhalf. Mies organisierte das Leben der Bewohner seiner Häuser nicht bis ins letzte Detail mit der Absicht, die Wohnfläche zu minimieren, sondern er schuf Räume, die räumliche Freiheit erlebbar machen und deren Qualitäten sich nur schwer in allgemeinverständliche Worte fassen lassen. Ihre Wirkung scheint aus heutiger Sicht abhängig vom Übergewicht der architektonischen Form, die jedoch für Mies als ordnende Kraft unverzichtbar war. Ein so hoher und gleichzeitig abstrakter gestalterischer Anspruch ließ sich nicht ohne Abstriche in ein Lehrprogramm einbringen; Mies war sich der nicht lehrbaren Inhalte bewußt.

Die von Mies geschaffene Architektur übte eine große Anziehungskraft auf Studierende aus, die die technische Ausbildung im Bauen abgeschlossen hatten und sich bei ihm in erster Linie ästhetisch weiterbilden wollten.Die Aufnahme eines Architekturstudiums am Bauhaus 1930/31 kann folglich nur als eine bewußte Entscheidung gedeutet werden für Mies und das ästhetische Programm , für das seine Person stand. So ist es nicht verwunderlich, als Unterrichtsarbeiten viele Entwürfe zu finden, die bewußt seine Formen zum Vorbild nehmen und sich mit seinen gleichzeitigen Arbeiten auseinandersetzen. In den besten Fällen können sie so Mies' eigene Absichten nachvollziehen, immer aber beherrschen sie am Ende ein ästhetisches Vokabular, das sich vielfältig anwenden läßt. Viele seiner Studierenden sind ihm ein Leben lang treugeblieben.