"Ein Schreibtisch für den Musikkritiker"

Zum 100. Geburtstag von Hans Heinz Stuckenschmidt

26. November bis 4. Februar 2002

Zur Erinnerung an den Musikkritiker und Musikwissenschaftler Hans Heinz Stuckenschmidt (1901 -1988) wird im Bauhaus-Archiv ein einzigartiges Möbelstück ausgestellt. Es ist kaum bekannt, daß der Architekt Hans Scharoun 1953 für den ihm befreundeten Stuckenschmidt einen Schreibtisch entwarf: Ein ausdrucksstarkes Möbel aus Holz und Metall, in seiner Formgebung an Bauten Scharouns erinnernd, allseitig funktional benutzbar, mit einem abgesenkten Teil für die Schreibmaschine, mit rings um die kunststoffbespannte Schreibplatte angeordneten Schubladen. Stuckenschmidt hat den Schreibtisch jahrzehntelang benutzt und sich bis zu seinem Tode nicht mehr von ihm getrennt. Aus seinem Nachlaß gelangte das Möbel 1988 in die Sammlung des Bauhaus-Archivs.

Hans Heinz Stuckenschmidt gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den einfluss-reichsten Musikkritikern Deutschlands. Als junger Mann hatte er sich 1923 auf Einladung von Laszlo Moholy-Nagy am Weimarer Bauhaus aufgehalten. Dort war er an der Gestaltung der legendären 'Bauhauswoche' beteiligt, die anläßlich der ersten großen Bauhaus-Ausstellung im Sommer ein avantgardistisches Musik- und Theaterprogramm bot. Mit Werken von Schönberg, Krenek, Weill, Busoni, Hindemith und Strawinsky wurde die Bauhauswoche gleichermaßen zum Bauhaus- wie zum musikalischen Ereignis.

Am 19. Januar 2002 gibt die Pianistin Veronika Jochum im Rahmen des 'Schauplatz Museum' ein Benefizkonzert mit Musik aus dem Bauhaus-Umkreis, darunter auch Kompositionen Stuckenschmidts. Der Reinertrag der Veranstaltung soll einer vom Bauhaus-Archiv geplanten Bauhaus-Möbel-Ausstellung zufließen.

Friedl Dicker-Brandeis

Ein Leben für Kunst und Lehre

18. Juli bis 15. Oktober 2001

Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Simon Wiesenthal Center, Museum of Tolerance, Los Angeles

Unter der Schirmherrschaft von Staatsminister Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Beauftragter der Bundesregierung für die Angelegenheiten der Kultur und der Medien

Friedl Dicker-Brandeis (1898-1944) war Malerin, entwarf Textilien, gestaltete Bühnenbilder und Innenräume. Das Schaffen dieser Frau, das sie vom Weimarer Bauhaus bis zur künstlerisch-therapeutischen Arbeit mit deportierten Kindern im Konzentrationslager führte, repräsentiert weit mehr als eine über den Umkreis von Freunden und Kollegen hinaus wenig bekannte Künstlerkarriere. Ihre Lebensstationen Wien - Weimar - Prag - Hronov - Theresienstadt - Auschwitz lassen ahnen, daß es hier nicht allein um Malerei und moderne Wand- oder Wohnungsgestaltung geht, um eine Facette in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, vielmehr um ein höchst bemerkenswertes künstlerisches und persönliches Schicksal. Wir meinen, daß es gerade in Deutschland angemessen ist, hieran zu erinnern.

Für die Ausstellung wurden die heute in alle Welt verstreuten Spuren des Lebens und Wirkens von Friedl Dicker-Brandeis zusammengetragen: Gemälde, Zeichnungen, Entwürfe zur Innenraumgestaltung, Textilien, Möbel, ferner Fotos, Briefe, Dokumente und andere Sachzeugnisse. Ein kleiner, aber wichtiger Teil der Ausstellung sind Kinderzeichnungen, die unter Anleitung von Friedl Dicker-Brandeis im Konzentrationslager Theresienstadt entstanden sind. Wie Überlebende berichten, hat Friedl Dicker-Brandeis den internierten Kindern inmitten des Schreckens neue Zuversicht gegeben, hat ihnen geholfen, ihre Angst, ihren Trotz und ihre Überlebenshoffnung auszudrücken - eine Hoffnung, welche sich für Friedl Dicker-Brandeis selbst nicht mehr erfüllen sollte.

Die Ausstellung ist einzige deutsche Station der internationalen Wanderausstellung "Friedl Dicker-Brandeis: Life in Art and Teaching" des Simon Wiesenthal Center, Museum of Tolerance, Los Angeles, die bisher mit großem Erfolg in Wien, Graz, Cesky Krumlov, Paris und Stockholm zu sehen war. In der Präsentation des Bauhaus-Archivs werden die Bauhausjahre der Künstlerin und ihre Partnerschaft mit dem Bauhaus-Architekten Franz Singer einen besonderen Schwerpunkt bilden.

Wir danken allen Sponsoren und Förderern, insbesondere dem Beauftragten der Bundesregierung für die Angelegenheiten der Kultur und der Medien, Berlin und Bonn, der Deutschen Bank, Kultur und Gesellschaft, Frankfurt, und dem Westin Hotel, Berlin.

Katalog deutsch: 95 DM, englisch: 71 DM


Friedl Dicker-Brandeis
(Biographische Information)
Die am 30. Juli 1898 in Wien geborene Friedl Dicker entwickelt frühzeitig künstlerische Neigungen. Mit Puppen und Puppenspielen verdient sie eigenes Geld. Nach einer Lehre als Photoreprographin studiert sie Textiles Gestalten an der Wiener Kunstgewerbeschule, unter anderem bei dem Kunstreformer Franz Cizek, zugleich nimmt sie zwischen 1916-19 an Johannes Ittens legendären Wiener Kursen teil, die einige Jahre später zum Vor- und Urbild des Bauhaus-Vorkurses werden sollten. Mit Itten und einigen Mitstudierenden, darunter Anni Wottitz und Franz Singer, wechselt sie 1919 von Wien ans Weimarer Bauhaus, wo sie u.a. mit Georg Muche, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger bekannt wird. Sie gehört zum engsten Kreis um Itten. Einige der bemerkenswertesten Vorkursarbeiten in der Sammlung des Bauhaus-Archivs sind von ihrer Hand. Sie ist an der Gestaltung der "Utopia" beteiligt, einem programmatischen Schlüsselwerk der frühen Bauhaus-Jahre, und beginnt noch während des Studiums gemeinsam mit ihrem Bauhaus-Studienfreund Franz Singer kostüm- und bühnengestalterisch zu arbeiten. 1923 verläßt sie das Bauhaus, als dieses, nach heftigen inneren Auseinandersetzungen, eine neue, auf Industrielle Gestaltung orientierte Richtung einschlägt.

Wie wenige andere steht Friedl Dicker für den romantisch-utopischen Aufbruch der frühen Bauhaus-Jahre. Dem künstlerischen, humanistischen und erzieherischen Programm Ittens bleibt sie treu, verzichtet jedoch nicht auf die Weiterentwicklung ihrer persönlichen Kunst- und Formensprache, die sie in den verschiedensten Bereichen praktiziert: 1923 zunächst in einer Berliner Werkstatt für Kunsthandwerk, noch im selben Jahr in Wien, wo sie mit ihrer Bauhaus-Studienfreundin Anni Wottitz ein Atelier gründet, 1926 dann in einem Architekturstudio gemeinsam mit Franz Singer, das sie 1931 wieder verläßt, um fortan selbständig zu wirken. 1934 wird sie in Wien wegen kommunistischer Umtriebe festgenommen; es gelingt ihr jedoch, nach Prag zu emigrieren. Auch dort beteiligt sie sich an den Aktionen einer kommunistisch orientierten Gruppe, weil sie im Widerstand das einzige Gegengewicht zur wachsenden faschistischen Gefahr erblickt. In ihrer gleichwohl fortgeführten Malerei entwickelt sie sich naturalistisch bis hin zur Idylle, entwirft aber weiterhin Innenraumgestaltungen, zeitweise erneut in Zusammenarbeit mit Franz Singer.

1936 heiratet sie ihren Cousin, den Wirtschaftsbuchhalter Pavel Brandeis, und wird tschechoslowakische Staatsbürgerin. 1938 entschließt sie sich, obwohl im Besitz eines Ausreisevisums nach Palästina, im Lande zu bleiben und damit bei ihren Verwandten und Freunden, übersiedelt aber zusammen mit ihrem Mann von Prag in die Kleinstadt Hronov, wo Pavel Arbeit findet und sie selbst als Textilgestalterin wirken und zugleich unterichten kann.

Nach der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei und im beginnenden Krieg wird die Lage für das jüdische Ehepaar immer bedrohlicher. 1939 verlieren Pavel und Friedl ihre Arbeit und müssen eine kleinere Wohnung beziehen, 1941/42 noch zweimal. Im Dezember 1942 werden beide nach Theresienstadt deportiert. Vor der Deportation kann Friedl ihre Gemälde in andere Hände geben. In Theresienstadt, im Angesicht der täglichen Todesdrohung, organisiert sie dann ihren Zeichen- und Malunterricht für internierte Kinder.

Pavel Brandeis wird am 28. September 1944 aus Theresienstadt nach Auschwitz deportiert. Er überlebt. Friedl Dicker-Brandeis meldet sich freiwillig zum nächstfolgenden Transport am 6. Oktober 1944. Am 9. Oktober 1944 wird sie in Auschwitz-Birkenau ermordet. 

Ludwig Hirschfeld-Mack, Gradation farbig
Ludwig Hirschfeld-Mack, Gradation farbig

FarbLichtSpiele

Der Bauhäusler Ludwig Hirschfeld-Mack

3. Mai bis 2. Juli 2001

Ludwig Hirschfeld-Mack (1893 - 1965) gehört zu den innovativsten Künstlern des frühen Bauhauses. Bereits 1919 hatte er sich der Schule angeschlossen; nach einer Lehre als Kupferdrucker wurde er Geselle in der graphischen Druckerei des Bauhauses und arbeitete dabei mit Künstlern wie Lyonel Feininger, Johannes Itten, Paul Klee und Oskar Schlemmer zusammen. Intensiv setzte er sich mit den Gestaltungslehren Ittens und Klees auseinander.

Fasziniert war Hirschfeld-Mack vom Phänomen Farbe. In seinem Farbunterricht, den er 1922/23 am Bauhaus erteilte, vermittelte er den Studenten Kenntnisse über Wechselwirkungen geometrischer Grundformen in ihrem Verhältnis zu den Grundfarben. Bei den Studenten stieß dies auf reges Interesse. Aus der Sammlung des Bauhaus-Archivs werden hierzu eine Vielzahl von Ordnungsschemata, Farbtafeln, Hell-Dunkel-Studien in Schwarz-Weiß und Farbe und Studien zur Farbe-Form-Beziehung gezeigt.

Seine noch heute produzierten Farbkreisel kam dem Bauhaus 1922/23 nicht nur ideell, sondern auch wirtschaftlich zugute, da er sehr gut verkauft wurden.

Den größten Erfolg aber hatte er mit seinen 'Farbenlichtspielen', die er - kritisch unterstützt von László Moholy-Nagy - ab 1922 entwickelte und unter anderem in Hamburg, Berlin, Nürnberg und Wien aufführte. Mit der Verbindung von Farbe, Licht und Musik steht dieses Experiment entwicklungsgeschichtlich zwischen Malerei und abstraktem Film, ohne Zweifel eine Pionierleistung der Lichtkunst des 20. Jahrhunderts. Die Rekonstruktion der von Ludwig Hirschfeld-Mack entwickelten 'Farbenlichtspiele' steht im Mittelpunkt der Ausstellung.

Besonderer Hinweis: Während der Ausstellung Hirschfeld-Mack wird in der ständigen Präsentation des Bauhaus-Archivs der 'Licht-Raum-Modulator' von László Moholy-Nagy in einer neuen Installation gezeigt. Damit sind zwei der faszinierendsten lichtkünstlerischen Experimente des Bauhauses zugleich im Museum zu sehen.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Punkte Linien Kurven Flächen Körper

Formelemente foto-grafisch gesehen von Ernst Hahn

3. Mai bis 11. Juni 2001

Das Album einer Studienreise nach Oberitalien entstand 1952 an der Kunstgewerbeschule Zürich. Es besteht aus neununddreissig Fotografien in fünf Kapiteln und war Teil der Ab-schlußarbeit des Fotografen Ernst Hahn bei Johannes Itten (Formenlehre), Hans Finsler (Fotografie) und Alfred Willimann (Layout, Montage). Ittens Formenlehre ist für Ernst Hahn prägend: Material- und Formstudien im Vorkurs als Grundlage aller gestalterischen Arbeit. Bei Finsler lernt Hahn Fototechnik und -theorie und deren Anwendung im fotografischen Sehen. Die hier erstmals ausgestellte Arbeit wurde mit einem Stipendium ausgezeichnet, das Hahn zum Studium der Farbfotografie nutzte.

Grundelemente der Gestaltung werden den Fotos vorangestellt. Anstelle einer Überschrift steht je ein Fotogramm für die entsprechende Form : Punkte, Linien, Kurven, Flächen und Körper. Die Fotografien folgen, paarweise gegenübergestellt: zum Beispiel Vögel im Flug, gegen den Himmel (als unstrukturierte Fläche) gesehen, tauchen als Bildelemente vor der (strukturierten) Fläche des Domplatzes wieder auf. Ein Kanal, von oben aufgenommen, als Negativform für die ganz ähnlich geformte Barke: foto-grafisch sichtbar gemachte Span-nungsfelder.

Ernst Hahn, Jahrgang 1926, studiert ab 1948 an der Fachklasse für Fotografie bei Hans Finsler in Zürich. Dieser hatte als erster Fotografie-Lehrer an der Halleschen Kunstgewerbe-schule Burg Giebichenstein bereits seit den zwanziger Jahren einen Namen. Itten, Direktor der Züricher Kunstgewerbeschule und Leiter der Grundlehre, war als früherer Bauhauslehrer bereits eine Institution. Für den jungen Ernst Hahn bietet sich nach dem Krieg ein Studium bei diesen renommierten Künstlern an. Als Deutscher in der Schweiz nach einem Sanatori-umsaufenthalt 1945 interniert, nutzt er diese Möglichkeit, nachdem er sich mit graphischen Gelegenheitsarbeiten für den Schweizer Verkehrsverein durchgeschlagen hatte.

Itten stellt Hahn direkt nach dem Studium 1952 als Fotograf am Kunstgewerbemuseum und Museum Rietberg in Zürich an. Nachdem jedoch seine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wird, muß Hahn die Schweiz bereits ein Jahr später verlassen. Er wird nach zweijähriger Tätigkeit bei Jupp Ernst im grafischen Atelier der Werkkunstschule Wuppertal auf Empfeh-lung von Finsler an der Hochschule für Gestaltung Ulm angestellt. Er übernimmt, befristet auf ein Jahr, im Auftrag Max Bills 1955 die fotografische Ausbildung der Studierenden der HfG. Ausschlaggebend für seine Anstellung war das vorliegende Album aus Italien. In den folgenden Jahrzehnten arbeitet er als Werbe- und Industriefotograf für verschiedene Firmen, u.a. für die Kodak AG in Stuttgart. Für Siemens in Berlin leitet Ernst Hahn dreissig Jahre lang das Fotoatelier. Dabei setzt er vor allem die Farbfotografie professionell für die Produkt-und Firmenwerbung ein.
Ernst Hahn lebt in Berlin.

Peter Jenny: Vorlesungswerkzeuge

Bilderisches Gestalten an der ETH, Zürich

6. Dezember 2000 bis 16. April 2001

Das Bauhaus ist berühmt für seinen Vorkurs, den neuartigen gestalterischen Grundlagenunterricht, wie ihn vor allem Itten, Albers und Moholy-Nagy entwickelt haben. Doch ist dieser Vorkurs, achtzig Jahre nach dem Bauhaus, noch aktuell?

Peter Jenny beantwortet diese Frage mit einem eigenen Unterricht zu den Grundlagen heutiger Gestaltung. Sein Unterricht wendet sich vor allem an Architekturstudierende der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Mittlerweile hat Jennys avanciertes gestaltpädagogisches Denken und Handeln weit über die Schweiz hinaus Anerkennung gefunden. In der Ausstellung des Bauhaus-Archivs werden wichtige Aspekte seiner Arbeit gezeigt mit einer Auswahl oft verblüffender Artefakte.

Banale Gegenstände, kaum beachtete Utensilien des täglichen Lebens, Abfälle aller Art und Überflüssiges mutieren durch gezielte Verfremdung zu Wahrnehmungswerkzeugen. Stiefel, Schweineborsten,Teetassen oder Löffel werden umgedeutet und neu wahrgenommen. Veränderte Formen und eine veränderte Sicht auf die Dinge hebeln die einstige Funktionalität des Gebräuchlichen aus. Nicht das Objekt ist das Ziel, sondern der wahrnehmende Mensch, dessen Sinne und schöpferische Fähigkeiten sich am Objekt schärfen.

Wir danken der ETH Zürich für die Unterstützung bei der Realisierung der Ausstellung. Peter Jenny wird bei Pressevorbesichtigung und Eröffnung anwesend sein.

Zum Thema hat Prof. Peter Jenny eine Vielzahl von Büchern veröffentlicht, zuletzt: Bildkonzepte, Das wohlgeordnetet Durcheinander, Zürich, 2000

Das Logische Mittel zum Zweck

Hommage an den Werbegraphiker Herbert Bayer anläßlich seines 100. Geburtstages

15. März bis 5.März 2001

Das Bauhaus-Archiv würdigt den Künstler während der Sommer- und Herbstmonate 2000 mit einer repräsentativen Auswahl aus der Sammlung. Bayer war nicht allein der spiritus rector der grafischen Gestaltung am Bauhaus selbst. Vielmehr hat er nach seiner Emigration wesentlich zum Erfolg der gestalterischen Ideen des Bauhauses in den Vereinigten Staaten beigetragen. Ein Teil seines künstlerischen Nachlasses befindet sich heute im Bauhaus-Archiv Berlin.

Ann Holyoke Lehmann:

SIGNS - Zwölf Schriftverkehrszeichen

2. August - 17. September 2000

Eine Fahrt durch Schlesien und Galizien führte zu dieser 1992 entstandene Arbeit von Ann Holyoke Lehmann. In ,Der Trost der Kunst, MS 1999' schreibt die Künstlerin.

"Die Frage ,Welches Fahrverhalten suggeriert ein Semikolon?' beschäftigte mich auch weiterhin, und wieder zurück in Berlin machte ich mich daran, eine Serie von Warndreiecken mit unterschiedlichen Satzzeichen zu entwerfen: Schilder, die einer differenzierteren Regulierung des Strassenverkehrs oder aber einer dezidierteren Leitung des Wortflusses dienen mochten. Dem ,legitimen' Ausrufezeichen fügte ich Punkt, Komma, Semikolon, Doppelpunkt, Anführungszeichen (halbe Anfangs- und Schlussgänsefüsschen), Klammer (eckige, auf und zu), Gedankenstrich, Fragezeichen und Auslassungspunkte hinzu. Im Verhältnis 1 zu 1 amtlichen Achtung!-Gerahrenstelle!-Strassenschildern stellte ich zwölf ,Schriftverkehrszeichen' her und nannte die Arbeit SIGNS."

Die Arbeit wurde im Vortragsraum ausgestellt.

Avantgarde im Dialog:

Bauhaus, Dada und Expressionismus in Japan

2. August bis 17. September 2000

Dieses Projekt geht den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen der europäischen und der japanischen Avantgarde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach. Das National Museum of Modern Art in Kyoto hat diesem Thema 1999 eine umfassende Ausstellung unter dem Titel "Avantgarde in Japan - Art into Life 1900-1940" gewidmet.

Ein überwiegend aus japanischen Sammlungen zusammengetragener Kernbestand dieser Ausstellung mit exemplarischen Werken der zwanziger Jahre aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Graphik, Fotografie, Architektur und Design wird nun in Berlin gezeigt.

Zur Ausstellung erschien der Katalog "Avantgarde im Dialog".

Das Jahrhundert der Architekten

10. Juni bis 16. Juli 2000

Dieses Projekt geht den vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen der europäischen und der japanischen Avantgarde zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts nach. Das National Museum of Modern Art in Kyoto hat diesem Thema 1999 eine umfassende Ausstellung unter dem Titel "Avantgarde in Japan - Art into Life 1900-1940" gewidmet.

Ein überwiegend aus japanischen Sammlungen zusammengetragener Kernbestand dieser Ausstellung mit exemplarischen Werken der zwanziger Jahre aus den Bereichen Malerei, Skulptur, Graphik, Fotografie, Architektur und Design wird nun in Berlin gezeigt.

Zur Ausstellung erschien der Katalog "Avantgarde im Dialog".

Bild Schirm Auge

Zur Kritik der visuellen Kultur

20. Mai bis 4. Juni 2000

In der Reihe Present Time, die sich wichtigen Leistungen des Gegenwartsdesigns widmet, zeigen wir in diesem Jahr Projekte der Merz-Akademie in Stuttgart. Die Disziplinen der Gestaltung, des Grafik-Designs und der Visuellen Kommunikation sind durch die digitale Revolution massiven Veränderungen ausgesetzt. Unabhängig von deren Bewertung bleibt zu fragen, welche Aspekte der Kommunikationsgestaltung als Konstanten den Sprung vom Papier, Plakat und auch klassischer bewegter Bildträger auf die digitalen Bildmedien geschafft haben.

Kunst über dem Realen

Hans Thiemann und die 'Berliner Fantasten'

Ausstellung anläßlich des 90. Geburtstags von Hans Thiemann

15. März bis 7. Mai 2000

Hans Thiemann, Bauhaus-Schüler von Paul Klee und Wassily Kandinsky, gehörte unmittelbar nach 1945 zum Künstlerkreis der legendären Berliner Galerie Rosen, die in dieser Zeit das Zentrum der jungen, avantgardistischen Kunst in Berlin bildete. 1946 nahm er zusammen mit Hannah Höch, Heinz Trökes, Hans Uhlmann und Mac Zimmermann an der berühmten 'Fantasten-Ausstellung' teil. Thiemanns künstlerischer Nachlaß befindet sich heute im Bauhaus-Archiv.

Zur Ausstellung erschien den Katalog "Hans Thiemann, Kunst über dem Realen".

Klaus Horstmann-Czech

Reliefobjekte

15. März bis 1.Mai 2000

Nicht immer drückt sich der Abstraktionsgrad eines Spiels in den Spielmitteln adäquat aus. Das Schach, reich an Tradition und geistig anspruchsvoll wie kaum ein anderes Spiel, überrascht durch sein pittoreskes Instrumentarium: Die Figuren pflegen auch dann, wenn sie merklich stilisiert sind, einen Zug ins Illustrative und Konkrete zu behalten, der zu der Logik der Spieloperationen in einem nicht nur ästhetischen Widerspruch steht. Verschiedentlich hat man versucht, diesem Mangel abzuhelfen, sei es durch Reduktion der Figuren aufs Geometrische oder aber dialektisch durch phantastische Übersteigerung ihrer mimetischen Eigenschaften. Als Exempel für die erste Möglichkeit sei Josef Hartwig hölzernes Bauhaus-Schachspiel von 1923 genannt, "ein Spiel mit neuen Brettsteinen, die entsprechen ihrer Funktion gestaltet sind."

Horstmann-Czech abstrahiert noch radikaler als Hartwig und nutzt zugleich die Reize edlen Materials, um die formale Askese bis zu einem gewissen Grade aufzuwiegen. Aus schwarzen und weißen Marmorelementen ist das Brett gefügt, schwarze und weiße Marmorwürfel einheitlicher Größe bilden die Figuren. Für Unterscheidbarkeit sorgen Balkenmarkierungen der Kopfflächen, nur die Bauern sind unbezeichnet. Die ausschließlich orthogonal geführten Streifen zeigen allein die Hierarchie an und tun dies so diskret und dabei klar wie möglich. Indem Figurenhaftigkeit aufs Geometrische zurückgeführt ist. wird das Spiel - über seine Eigenschaft hinaus, nobles Instrument zu sein - zum ästhetischen Gegenstand, dessen Form auf ihre Weise die operationale Logik des Schachs kommentiert.