Licht - Bewegung - Zahl - Raum

Die Grundlehre von Werner Schriefers, Wuppertal 1949-1965

1.10. bis 30.11.2003

Werner Schriefers, Schüler des Bauhausmeisters Georg Muche, entwickelte seit 1949 an der Werkkunstschule Wuppertal eine für alle Studienanfänger obligatorische Grundlehre. Ziel seines Unterrichts war "die Erziehung zum unterscheidenden Sehen, schöpferischen Denken und zum Bilden systematisch und zugleich lebendig entwickelter visueller Gestalt". Er setzte hiermit das Prinzip eines künstlerischen Elementarunterrichts fort, der am Bauhaus von Johannes Itten als "Vorkurs" begründet und dann von László Moholy-Nagy und Josef Albers weiterentwickelt wurde.

Resultate des Unterrichts von Werner Schriefers werden in dieser Ausstellung erstmals umfassend vorgestellt. Ausgewählt aus einem Bestand von etwa 1500 Studienarbeiten, die als Stiftung des im Februar 2003 verstorbenen Künstler-Lehrers in die Sammlung des Bauhaus-Archivs gelangten, zeigen sie das ganze Spektrum seiner Lehre. Im Mittelpunkt stehen Experimente mit dem Gestaltungsprinzip der Collage, mit der Zerstörung und systematischen Neuordnung gegebener Bildmaterialien. Dreidimensionale Konstruktionen und modulare Baukastensysteme, aber auch zeichnerische, typographische und photographische Studien dokumentieren auf faszinierende Weise die Annäherung der Studierenden an das "Wahrnehmen und Verstehen der visuellen Erscheinungen", die Schriefers zurückführte auf die Grundbegriffe "Licht, Bewegung, Zahl und Raum".

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 80 Seiten und 50 Abbildungen zum Preis von € 9.50 erschienen.

Der Bau einer neuen Welt, Architektonische Visionen des Expressionismus
Der Bau einer neuen Welt, Architektonische Visionen des Expressionismus
Deutsche Luxfer-Prismen-Gesellschaft
Bruno Taut (Entwurf), Deutsche Luxfer-Prismen-Gesellschaft (Ausführung), Glasbaukasten Dandanah, 1919-20, Oktogonaler Holzkasten, 27 cm Durchmesser, 62 verschieden geformte Bausteine mit blauem, rotem, gelbem, grünem und farblosem Gußglas, Legeplan, sechs verschiedene, farblithographierte Bauanweisungen, Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Der Bau einer neuen Welt

Architektonische Visionen des Expressionismus

16.07 bis 15.09.2003

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs bricht in Deutschland 1918 die bestehende Ordnung zusammen. Im politischen Chaos dieser Jahre suchen auch Architekten nach neuen Lösungen. Alles Bekannte hinter sich lassend wenden sie sich umfassenden Ansätzen zu, die nichts weniger im Blickfeld haben als die Gestaltung einer Neuen Welt. In einer Zeit ohne Arbeit läßt man die Realität weit hinter sich und den Gedanken für eine bessere Zukunft freien Lauf. In kleinen, eingeschworenen Zirkeln tauschen Architekten ihre kühnen Ideen in Form von Zeichnungen aus. Diese Gedankenspiele, die für uns heute wie eine Mischung aus Jules Verne und Startrek aussehen, gehören zum Gewagtesten, das die Architektur des 20. Jh. hervorgebracht hat und die Zeichnungen eines Scharoun, Mies van der Rohe, Poelzig oder Luckhardt zählen zu den überzeugendsten ihrer Gattung. Die wenigen ausgeführten Bauten - wie etwa der Einsteinturm in Potsdam oder das Chilehaus in Hamburg - rangieren unter den bekanntesten der Zwanziger Jahre.

Die Arbeiten versuchen zumindest mit dem Zeichenstift eine Architektur aus den neuen Baumaterialien - insbesondere Glas - zu schaffen oder thematisieren die Möglichkeiten, die in einem alten - dem Tonziegel - stecken, dem sie jedoch bis dahin völlig unbekannte Gestaltungsmöglichkeiten abgewinnen. So divergent wie die Vorschläge der Architekten war auch die damit verbundene Gedankenwelt: einige orientierten sich bei ihren Entwürfen an sozialistischen Idealen, andere beschäftigten sich mit völkischen Ideen. Ein gemeinsamer Nenner scheint kaum gegeben, allen gemeinsam war die Suche nach einer neuen allumfassenden Baukunst. Mit über 120 Objekten - Zeichnungen, Modellen, Gemälden, Graphiken - gibt die Ausstellung einen Überblick über diese ungewöhnlich vielgestaltige und gleichzeitig nur wenige Jahre kurze Aufbruchsphase in die Moderne.

Ein Besuchsprogramm zu den Berliner Bauten sollen das in der Ausstellung Die vermittelte Bild dieser Zeit abrunden

Ausstellung ist eine Kooperation der Kunstsammlungen Böttcherstraße, Bremen und des Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung, Berlin in Zusammenarbeit mit der Stiftung Archiv der Akademie der Künste, Abteilung Baukunst, Berlin

Katalog zur Ausstellung: 192 Seiten, über 200 farbige Abbildungen, 24 EUR

Kandem-Leuchten
Anzeige für Kandem-Leuchten nach Bauhaus-Entwürfen, 1929, Bauhaus-Archiv Berlin

Bauhausleuchten? Kandemlicht!

Die Zusammenarbeit des Bauhauses mit der Leipziger Firma Kandem

16.05 bis 30.07.2003

Seit 1928 entstand aus der Kooperation des Bauhauses mit der Leipziger Leuchtenfabrik Körting & Mathiesen (Markenname: Kandem) eine Serie formal und technisch wegweisender Leuchten- modelle, in denen das Bauhaus-Programm der direkten Zu- sammenarbeit mit der Industrie erstmals erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden konnte. Die Pionierstellung des Unternehmens auf dem Gebiet der Lichttechnik und seine konsequent zweck- orientierten Entwicklungsmethoden trafen sich dabei in idealer Weise mit den Vorstellungen des Bauhauses von funktionalistischer Produktgestaltung.

Die Leuchten wurden von Marianne Brandt, Hin Bredendieck, Heinrich Siegfried Bormann und anderen Studierenden des Bau- hauses gemeinsam mit den Lichttechnikern von Kandem für die Serienproduktion entwickelt und fanden sofort ihren Weg in Woh- nungen und Büros. Innerhalb weniger Jahre wurden über 50.000 aus dieser Partnerschaft hervorgegangene Leuchten verkauft. Dem Bauhaus brachte dies den Nachweis, daß seine Entwürfe tat- sächlich zu industriell gefertigten Massenprodukten werden und ein entsprechendes breites Publikum erreichen konnten.

Dieses wichtige Kapitel in der Designgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wird in der Ausstellung umfassend dargestellt. Zu sehen sind die am Bauhaus entwickelten Kandem-Leuchten zu- sammen mit Vorgängermodellen und Varianten sowie Prototypen und Entwürfe von Leuchten, die nie zur Serienreife gelangten. Zeit- genössische Fotografien, Kataloge und andere Werbematerialien dokumentieren die Firmengeschichte und das breit gefächerte Pro- duktionsspektrum von Körting & Mathiesen.

Die Ausstellung wurde vom Museum für Kunsthandwerk / Grassi- museum in Leipzig erarbeitet; das Konzept stammt von Justus A. Binroth, der auch die Berliner Präsentation realisiert hat. Das umfangreiche Katalogbuch (deutsch/englisch, 222 Seiten, 200 Abbildungen) kostet 24.80€.

Polizeiaktion gegen das Bauhaus am 11. April 1933

Der mutige Versuch Ludwig Mies van der Rohes, das Bauhaus nach seiner Schließung durch die nationalsozialistische Stadtverwaltung Dessaus in Berlin-Steglitz als Privatinstitut weiterzuführen, wurde durch die Polizeiaktion am 11. April 1933 massiv bedroht.
Schutzpolizei und als Hilfspolizisten fungierende SA-Leute umstellten das Schulgebäude, das in einer Fabrikhalle Siemensstraße / Ecke Birkbuschstraße untergebracht war.

Die Durchsuchung war von einem Untersuchungsausschuss der Dessauer Staatsanwaltschaft veranlasst worden, der gegen den Oberbürgermeister Hesse ermittelte und hoffte, im Bauhaus Beweismaterial gegen Hesse und kommunistisches Propagandamaterial zu finden.

15, nach anderen Berichten 32 Studenten wurden verhaftet und abtransportiert, nach ein- bis zweitägiger Haft aber wieder freigelassen. Unterlagen wurden beschlagnahmt und das Gebäude versiegelt und auch in den kommenden Monaten bewacht. Den Fall "Bauhaus" untersuchte das Geheime Staatspolizeiamt. Der rechtsgerichteten Presse war zu entnehmen, dass belastendes Material gefunden worden war.

Die polizeilich verfügte Versiegelung des Gebäudes machte jeden weiteren Lehrbetrieb unmöglich und übte auf das private Institut, das auf die Einnahme von Schulgeldern angewiesen war, einen massiven wirtschaftlichen Druck aus, was im Juli 1933 endgültig zur Selbstauflösung führte.

"Bauhaus-Möbel"

Eine Legende wird besichtigt

26.10.2002 bis 10.03.2003

Bauhaus ist zu einer Jahrhundertlegende geworden, die Begriffe ’Bauhaus’ und ’modern’ werden heute nahezu gleichgesetzt. Dieser Erfolg ist in besonderer Weise den Möbeln zu verdanken, die am Bauhaus oder (was nicht dasselbe ist) von dessen Gestaltern entworfen wurden. Längst werden die Stahlrohrstühle eines Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe als "Klassiker der Moderne" gefeiert. Oft wird jedoch übersehen: das Bauhaus erschöpft sich keineswegs im Material Stahlrohr, und es sind auch nicht ausschließlich Stühle dort entstanden. Unsere Ausstellung wird deshalb ein sehr viel umfassenderes Panorama vorführen: Stühle und Tische, aber auch Betten und Schränke, aus allen Epochen des Bauhauses, aus Holz wie aus Stahl, Welterfolge wie Schülerexperimente. Zugleich weisen wir auch auf die andere Moderne hin, die sich neben dem Bauhaus in Deutschland entfaltete.

Die gezeigten Möbel sollen aus ihrer Epoche, den 20er und frühen 30er Jahren, interpretiert werden. Wir untersuchen, was damals im Umkreis des Bauhauses ent-stand, wer die Möbel in Auftrag gegeben hat und wie sie verwendet wurden. Dazu sind zeitgenössische Zeitschriften und Filme eine unverzichtbare Quelle. Kein "Möbelhaus Bauhaus" wird es geben, sondern ein dif-ferenzierendes "Zeit-Bild".

Bei der Realisierung stützt sich das Bauhaus-Archiv auf seine in über vierzig Jahren aufgebaute Sammlung. Eine Reihe wertvoller Leihgaben wird die Ausstellung ergän-zen. Sie wird von einem Katalog begleitet. Das Projekt wird vom Hauptstadtkultur-fonds und der Kulturstiftung der Länder unterstützt.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog.

"Montessori"

Lehrmaterialien 1913 bis 1935 - Möbel und Architektur

12.06. bis 2.09.2002

Um 1900 entwickelte die italienische Ärztin Maria Montessori ein grundlegendes reformpädagogisches Konzept. Neu daran war, dass Kinder ihre eigenen Fähigkeiten und Neigungen entdecken und üben dürfen. Die Rolle der Lehrer orientiert sich an dem Bedürfnis des Kindes: "Hilf mir, es selbst zu tun".
Die eigens dafür entwickelten Lehrnmaterialien und Möbel sind bestechend klar und einfach, präzise und sinnlich ansprechend. Sie erfüllen das kindliche Bedürfnis nach Konzentration, Wiederholung und danach, etwas Neues zu lernen. Originale Lehrmaterialien aus den 20er Jahren, eine Reihe von Möbeln und bisher unbekannten Fotos dokumentieren die reformpädagogi-
sche Arbeit nach Montessori bis 1935.

Besonderer Dank gilt der Unterstützung der VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken, Tauberbischofsheim.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog.

Laszlo Mohoy-Nagy, Licht-Raum-Modulator
Laszlo Mohoy-Nagy, Licht-Raum-Modulator, 1922-1930, Rekonstruktion 1970, Bauhaus-Archiv Berlin

Vision in Motion

Der Licht-Raum-Modulator von Moholy-Nagy, Lichtstudien aus dem New Bauhaus, Chicago

3.05. bis 2.09.2002

Der 'Licht-Raum-Modulator' von László Moholy-Nagy gehört zu den meistbeachteten Kunstwerken in der Sammlung des Bauhaus-Archivs. Diese kinetische Skulptur bildet eine Synthese der gestalterischen Ideen des universell orientierten Bauhaus-Künstlers. In Malerei, Plastik, Photographie und Film ging es Moholy-Nagy stets um neue, die moderne Technik einbeziehende Gestaltungsformen. Dabei vollzog er den Schritt von der traditionellen Pigmentmalerei zur Lichtmalerei. Den 'Licht-Raum-Modulator' definierte er daher als 'experimentellen Apparat für Malerei mit Licht'.

In einer neuen Installation (Konzept: XXLight) zeigt das Bauhaus-Archiv die 'Lichtmaschine' freistehend hinter transparenten Wänden, auf die bewegte Licht- und Schatten-Spiele fallen. Zugleich kann der Film 'Lichtspiel Schwarz-Weiß-Grau' betrachtet werden, in dem Moholy-Nagy selbst 1930 die Bewegungen und Lichteffekte seiner Skulptur festgehalten hat. Durch "systematischen Gebrauch von Licht und Schatten in Bewegung" werde, schrieb er hierzu, "die dem Film eigene Dimension, die Dimension des Zeitraums erobert".

Lichtstudien von Moholy-Nagy's Schülern und Kollegen am New-Bauhaus Chicago (1937 und folgende Jahre) ergänzen die Neuinstallation: experimentelle Fotogramme und Fotografien, die spielerisch die Beziehung zwischen Licht, Raum und Gegenstand einfangen. In diesem Bereich der Fotografie als Lichtmalerei verfügt das Bauhaus-Archiv über eine in Europa einzigartige Sammlung.

"Extrakt:"

Junge Schmuckdesigner in Deutschland heute

14.04. bis 2.07.2002

Unbelastet von aller Tradition -
Schmuckdesign im Bauhaus-Archiv

In den 90er Jahren hat sich im deutschsprachigen Raum eine Reihe interessanter Schmuck-Künstler herausgebildet.
So unterschiedlich ihre Auffassungen zum Thema Schmuck auch sind, so lässt sich doch ein einheitliches Prinzip erkennen: weg vom Kunstgewerbe und hin zum Design. Das Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung in Berlin greift diesen Trend auf und zeigt vom 14. April 2002 bis zum 2. Juni 2002 die Arbeiten von 20 jungen avantgardistischen Schmuck-Designern.

"Unbelastet von aller Tradition und den gängigen Vorstellungen von Schmuck" werden unter den Händen von Claudia Stebler Plastikstreifen mit dem Text aus dem Dymogerät zum Ring. Ein profaner Gebrauchsgegenstand avanciert zur Ausgangsbasis von Design, zu einem Fingerschmuck ohne Ewigkeitsanspruch. "Aus dem Alltag in den Alltag", nennt die Künstlerin diesen Prozess.

Tobias Teigelkötters Arbeiten basieren auf Computerentwürfen. Die Rohformen für die Bearbeitung liefert eine Maschine. Teigelkötter verweist mit seinen Objekten, in Gold gefassten Sinnsprüchen, auf Bestellung individuell formuliert und von der Maschine zum Ring gestaltet, auf das Vorhandensein der Individualität im Maschinenzeitalter.

Vereinfachung und Reduktion sowie eine absolute Materialbezogenheit, die an die Anfänge der Bauhaustradition denken lässt, sind das leitende Prinzip von Erik Urbschat, dessen Armreifen und Ohrschmuck durch klare Formen und eine schlichte Linienführung bestechen.
Völlig anders präsentieren sich die Arbeiten der Künstlerin Lydia Hirte: Skulpturale Objekte, raumgreifend und vielansichtig. Durch Faltungen und Konstruktion entwickelt und aus einfachem Material, gewachstem Karton und Leinenzwirn, gefertigt, entstehen Halsketten von bizarrer Schönheit.

Jeder Schmuck-Designer ist mit fünf bis sieben Arbeiten vertreten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Unikate, die exklusiv in den Räumen des Bauhauses zum Verkauf angeboten werden. Was insbesondere auch als Möglichkeit gedacht ist, den Künstlern, die bislang noch nicht von ihren Arbeiten leben konnten, eine finanzielle Unterstützung zu bieten.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog.

"Division as Structure"

Zeichnungen und Reliefs von Paul Mason

26. Oktober bis 15. April 2002

Die Zeichnungen und Marmorreliefs untersuchen das Prinzip der Flächenteilung als Voraussetzung rhythmischer Strukturen. In ihrem Interesse an den metaphysischen Beziehungen zwischen dem Punkt als Zentrum, der Linie als Maß, und der Fläche als Ursprung räumlicher Darstellung berühren sich die Arbeitsprinzipien mittelalterlicher Bauhütten und des Bauhauses. Paul Klee hat dies in seinen Vorlesungsnotizen ("Unendliche Naturgeschichte") umrissen. Die gezeigten Arbeiten sind die Resonanz eines zeitgenössischen Künstlers auf diese Ideen, die das Bauhaus ebenso wie die gotische Architektur in Europa beeinflußt haben.

Die Zeichnungen bilden verschiedene Rhythmen aus Punkten und Linien, die auf geometrischen Formen wie Quadrat, Dreieck, Fünfeck und Sechseck basieren: hieraus ergeben sich unendliche Möglichkeiten für weitere Formen und Strukturen. Mit zunehmender Auflösung werden die Muster organisch, setzen ruhige Zonen in Kontrast zu Energiezentren und zu räumlichen Gebilden in scheinbarer Bewegung.

Die Marmorreliefs zeigen zunächst einfache Teilungen des Rechtecks durch eine zunehmende Anzahl von Diagonalen. Drei weitere Reliefs übertragen diese Muster in plastische Oberflächentexturen, die sich aus den Spuren des Meißels, aus dem Bearbeitungsprozeß ergeben.

Paul Mason

"Mehr als der bloße Zweck"

Mies van der Rohe am Bauhaus 1930-1933

26.10.2001 bis 7.04.2002

'Ich will keine Marmelade, nicht Werkstätten und Schule, sondern Schule' - so charakterisierte Mies van der Rohe sein Bauhaus-Konzept, als er 1930 zum Direktor ernannt wurde. Alles, was für ihn nicht direkt mit den Zielen der Ausbildung zusammenhing, wurde zurückgedrängt, der Schwerpunkt von der methodischen Entwurfsschulung auf einen ganz auf das Objekt bezogenen Unterricht umgestellt. Daneben trugen die sich rapide wandelnden politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse zu den Veränderungen an der Schule bei. Das ursprüngliche Ziel des Bauhauses, den 'großen Bau' in allen seinen Einzelheiten zu gestalten, blieb auch für Mies bestehen.

Der Austausch des Direktors war mehr als ein Wechsel in der Leitung, er bedeutete eine Neustrukturierung der Schule, bei der das Studium gestrafft wurde und die Architekturausbildung stärkeres Gewicht erhielt. Diese war jetzt zweigeteilt: einerseits in Wohnungs- und Städtebaustudien bei Ludwig Hilberseimer, der mit den Studierenden neue städtebauliche Konzepte erarbeitete. Den Gegenpol bildete das von Mies selbst geleitete Seminar. Speziell für den Unterricht entwickelte er das Hofhaus als ideales Anschauungsobjekt, um den Studenten sein sehr differenziertes Verständnis von Material, Raum und Natur näherzubringen. Diese Häuser sollten nicht nur 'funktionieren', ihre Ausarbeitung unter ästhetischen Aspekten war für ihn gleichrangig.

Die Ausstellung zeigt Exponate aus allen Lehrbereichen des Bauhauses nach 1930. Die Zeitumstände werden anhand von vielfältigen Materialien wie Presseausschnitten und Fotos dokumentiert. Im Mittelpunkt stehen dabei die großformatigen Zeichnungen aus dem Architekturunterricht mit ihrer ausgefeilten Präsentationstechnik.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog.