Marianne Brandt, Unsere irritierende Großstadt
Marianne Brandt, Unsere irritierende Großstadt, 1926, Photomontage aus Zeitungsausschnitten auf grauem Karton, Foto: Galerie Berinson, Berlin/UBU Gallery, New York

Tempo Tempo

Bauhaus Fotomontagen von Marianne Brandt

12.10.2005 bis 9.01.2006

Bekanntheit erlangte Marianne Brandt (1893-1983) durch ihre am Bauhaus entstandenen Metallarbeiten, wie das Tee-Extraktkännchen, das heute als Ikone des modernen Designs gilt. Ihre Photomontagen hingegen sind erst durch einige wenige Beispiele publik geworden. Die Bandbreite dieser Arbeiten, die alle aus Abbildungen von Zeitungen und Illustrierten gefertigt sind, reicht von vielschichtigen Kompositionen bis zu verknappten Entwürfen. Inhaltlich gesehen bilden sie ein kritisches Gegengewicht zu Brandts gleichzeitig - von der Mitte der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre - entstandenen Metallarbeiten.

Nachdem sich Marianne Brandt durch einen demonstrativen Akt der Zerstörung aller ihrer Ölgemälde von der traditionellen Kunst losgesagt hatte, wandte sie sich der Arbeit mit Metall in abstrakten und reinen Formen zu. Ergänzend hierzu erlaubte ihr das neue Medium der Montage, einen analytischen Blick auf Gesellschaft und Politik ihrer Zeit zu werfen und die im Ersten Weltkrieg so offensichtlich gewordenen, gefährlichen Seiten der modernen Technik zu thematisieren. Zudem hinterfragt sie in diesen Werken auch geschlechtsspezifische Konventionen durch die Darstellung eines neuen Bilds der Frau in der Gesellschaft. Tempo, Tempo! Bauhaus Photomontagen von Marianne Brandt ist die bislang erste Ausstellung, die ihr Werk im Medium der Photomontage vorstellt und einer Würdigung unterzieht.

Wenngleich durch Theorien und Methoden des Bauhauses beeinflußt - insbesondere jene László Moholy-Nagys -, entwickelte Brandt doch eine eigenständige Herangehensweise an die Montage. Der fragmentarische Charakter dieser Arbeiten forderte Frauen dazu auf, sich selbst nicht als reine Spiegelung der Konsumgesellschaft ihrer Zeit oder als Symbole eines kulturellen Umschwungs zu sehen, sondern als kritische und politisch verständige Akteure dieses Umbruchs. Marianne Brandts Photomontagen thematisieren auch die Dynamik des Großstadtlebens, die Faszination des Films sowie die Militarisierung der Technik und die als Folge des verlorenen Krieges sich wandelnde Darstellung von Männlichkeit.

In der Absicht, die Sinne über das Sehen hinaus anzusprechen, hinterfragen Marianne Brandts Photomontagen über verschiedene formale Annäherungen die Funktion des Bildes als Abbild und die potentiellen Bedeutungsebenen der Photographie als gestalterisches Material. Für viele Theoretiker des Bauhauses und der Moderne lag in einer solchen Herangehensweise der Schlüssel zur Erweiterung der künstlerischen Aussagekraft, die der dynamischen neuen Gesellschaft der 1920er Jahre entsprach.

Die Ausstellung Tempo, Tempo! Bauhaus Photomontagen von Marianne Brandt bietet dem Betrachter sowohl eine retrospektive Sicht auf die in der Weimarer Republik entstandenen Arbeiten der Künstlerin als auch Einblick in Ideenkonstellationen, die für eine Interpretation unentbehrlich sind. Sie stellt eine Erkundung in die historische und theoretische Bedeutung der hochdetaillierten, geschickt komponierten und visuell dynamisierten Photomontagen dar, die Marianne Brandt im Kontext des Bauhauses schuf.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Berlin: Jovis Verlag, 176 Seiten, 65 Farb- und 55 Schwarzweißabbildungen) zum Preis von ca. 19,50 €.

Peter Keler und Farkas Molnar, Farbgestaltung einer Durchfahrt im Bauhaus Weimar
Peter Keler und Farkas Molnar, Farbgestaltung einer Durchfahrt im Bauhaus Weimar, 1923

Farbenfroh!

Die Werkstatt für Wandmalerei am Bauhaus

11.06. bis 12.09.2005

Als Anfang des 20. Jahrhunderts der Ruf nach Farbe im grauen Einerlei der Architektur laut wurde und schon bald erste bunte Siedlungen in Berlin Aufsehen erregten, gehörte auch Walter Gropius zu den Befürwortern dieser Bewegung. In seinem 1919 in Weimar gegründeten Bauhaus sollte Architektur als farbiges, funkelndes Gesamtkunstwerk entstehen.

Heute jedoch werden mit "Gropius" und "Bauhaus" weiße kubische Baukörper mit neutralen Innenanstrichen gleichgesetzt. Dies steht im Widerspruch zu zeitgenössischen Quellen und der Tatsache, daß seit 1989 eine erstaunliche Farbigkeit an den Bauhaus-Bauten in den neuen Bundesländern zutage getreten ist. Die Ausstellung 'Farbenfroh' will deshalb einen Überblick darüber verschaffen, wie Farbe und Architektur am Bauhaus zu einer Einheit verschmelzen.

Auch am Bauhaus beginnt die Wandgestaltung mit vom Expressionismus beeinflußten, für heutige Betrachter gewöhnungsbedürftigen Ausmalungen; gleiches gilt für die frühen, in dunkler, erdiger Farbigkeit ausgemalten Räume unter dem Einfluß von Johannes Itten. Der holländische De Stijl hinterläßt seine Spuren: Die Farbigkeit hellt sich auf, die Gestaltungen werden stärker architekturbezogen. Die farbige Gestaltung der Dessauer Bauhaus-Gebäude führt diesen Ansatz weiter, gleichzeitig ist anhand der Farbbefunde in den Meisterhäusern deutlich nachvollziehbar, wie unterschiedlich gleiche Häuser durch andere farbliche Gestaltung wirken können. Um 1930 erfahren dann von der Eigenfarbigkeit des Materials geprägte Ausstattungen großes Interesse.

Die rasanten Veränderungen der Wandgestaltung zwischen 1919 und 1933 wird die Ausstellung durch eine Vielzahl von Modellen visualisieren; auch Nachbauten von Räumen in Originalgröße werden darunter sein. Eine Abteilung setzt sich mit dem Verhältnis 'Bild' und 'Wand' auseinander - ein besonders spannendes Thema, bei den Werkstattleitern, die Maler waren wie Wassily Kandinsky.

Die Ausstellung beginnt mit einer Einführung in das Malerhandwerk der zwanziger Jahre, einem damals hoch qualifizierten Berufsstand. Viele der Effekte, die wir heute an den alten Farbgestaltungen so bewundern, waren nur mit sehr großem fachlichen Wissen und umfassender handwerklicher Ausbildung hervorzubringen. Studierende der Wilhelm-Ostwald-Schule, des Berliner Ausbildungszentrums für Maler, haben speziell für die Ausstellung die damaligen Techniken wiederbelebt und werden sie während der Ausstellung vorführen.

Ermöglicht hat die Ausstellung der Hauptstadtkulturfond.
Im Eintrittspreis von 6.-/3.-€ ist ein audio guide enthalten.
Der Katalog, deutsch/englisch hat 160 Seiten und kostet 19,90€.

Egon Eiermann, Korbsessel
Korbsessel, Foto: Universität Karlsruhe (TH) Thilo Mechau

Egon Eiermann (1904 - 1970)

Die Kontinuität der Moderne

29.01 bis 16.05.2005

Der erste Blick vieler Berlinreisender gilt der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Ihre große symbolische Bedeutung als Mahnmal gegen den Krieg und Zeichen des Neubeginns machte sie zu einem Wahrzeichen der Stadt Berlin. Der Architekt, dem dieses Meisterwerk zu verdanken ist, heißt Egon Eiermann.

Anlässlich des hundertsten Geburtstages von Egon Eiermann zeigt das Bauhaus-Archiv die erste große Gesamtschau zu seinem faszinierend vielseitigen Werk. Seinen internationalen Ruf als Architekt der Moderne und des neuen demokratischen Deutschlands begründete er mit dem Pavillon für die Weltausstellung in Brüssel (1958). Weitere bedeutende Bauaufgaben für die Bundesrepublik schlossen sich an: die deutsche Botschaft in Washington und das Abgeordnetenhaus des Bundestages in Bonn ("Langer Eugen"). die Hauptzentrale des Neckermann-Versandhauses in Frankfurt am Main, Verwaltungskomplexe für IBM in Stuttgart und Olivetti Frankfurt am Main.

In Fachkreisen war Egon Eiermann bereits in den dreißiger Jahren ein Begriff. Nach dem Studium bei Hans Poelzig spezialisierte er sich auf Bauaufgaben, in denen die Moderne auch im Nationalsozialismus gewollt war. So setzte er seine Vorstellungen von moderner Architektur im Bereich des Industriebaus, im Ausstellungs- und Ladenbau, aber auch bei Einfamilienhäusern um. Über die Kriegsjahre hinweg fand Eiermann zu einer Architektursprache, die er nach 1945 bruchlos weiterführen konnte.

Schon 1947 erhielt Eiermann einen Ruf an die Technische Hochschule Karlsruhe, wo er den Lehrstuhl für Bauplanung und Entwerfen übernahm. Als temperamentvoller und engagierter Lehrer konnte er eine zahlreiche Schülerschaft an sich binden.

Alle Werke Eiermanns verbindet eine Kontinuität in der architektonischen Sprache. Sie zeichnet sich bereits in seinem Frühwerk durch die präzise, sichere Einfachheit des Grundrisses und die funktionale Klarheit des Baukörpers aus. Seine Bauten scheinen leicht, einfach, fast heiter durch ihre Transparenz und Offenheit. Das gilt auch für die Innenausstattung: Tische, Stühle, Treppengeländer, Garderoben – alles bildet eine gestalterische Einheit mit der Architektur. Mit Tischgestellen und Stühlen schrieb er erfolgreich Designgeschichte. Er ging sogar soweit, sich mit Bestattungskultur auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung zeigt umfassend alle Aspekte seines Schaffens. Skizzen und Zeichnungen machen den Werkprozess transparent, maßstabsgerechte Modellbauten vermitteln einen anschaulichen Eindruck, eine Computersimulation visualisiert den Pavillon der Weltausstellung Brüssel, Briefe und Dokumente geben Einblick in die Büroarbeit.

Die Ausstellung wird vom Bauhaus-Archiv Berlin und dem Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) an der Universität Karlsruhe (TH) in Zusammenarbeit mit der Städtischen Galerie Karlsruhe ausgerichtet.

Es erscheint ein Katalog mit 224 Seiten und 308 Abbildungen, 24,- € (Museumskasse)

Gunta Stölzl, Selbstportrait
Gunta Stölzl, Selbstportrait, Collage aus der Mappe "9 jahre bauhaus. eine chronik" (Abschiedsgeschenk von Meistern und Studierenden des Bauhauses für Walter Gropius), 1928, Bauhaus-Archiv, Berlin

Happy Birthday! Bauhaus-Geschenke

25 Jahre Bauhaus-Archiv Berlin am Tiergarten

27.10.2004 bis 9.01.2005

Das Bauhaus verstand zu feiern - legendär sind aber nicht nur seine Feste, sondern auch die einfallsreichen Geschenke, die man untereinander tauschte. Wir wollen es den Bauhäuslern gleich tun und mit einer nicht alltäglichen Ausstellung das 25jährige Bestehen unseres Gebäudes feiern. Denn mit dem nach Plänen von Walter Gropius errichteten Haus begründete das Bauhaus-Archiv 1979 seine unübersehbare Position in der Berliner Museumslandschaft und im Stadtbild.

Präsentiert werden Gemälde, Zeichnungen, Collagen, Photographien, Druckgraphiken und Dokumente, denen eines gemeinsam ist: Sie wurden verschenkt. Vieles davon erhielt der erste Bauhaus-Direktor Walter Gropius von den Lehrern und Studierenden beim alljählich begangenen Fest seines Geburtstages am 18. Mai. Doch es gab auch andere Anlässe für die Bauhäusler, sich gegenseitig zu beschenken: Hochzeiten, Geburten, Jubiläen, Abschiede, Einträge in Gästebücher, Gratulationen und Präsente zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel. Hinzu kommen Geschenke von Künstlerfreunden außerhalb des Bauhauses.

Unter den Geschenken sind hochkarätige Kunstwerke, so etwa die Geburtstagsmappe der Bauhausmeister für Walter Gropius aus dem Jahr 1924. Aber es findet sich auch viel Albernes und Ephemeres, das gerade in seiner unkonventionellen, spielerischen und oft sehr ironischen Art spannende Einblicke in das persönliche Verhältnis der Bauhäusler - der Lehrer wie der Studierenden - untereinander erlaubt.

Einige Cimelien unserer Sammlung werden zu sehen sein, die meisten Objekte wurden bisher selten oder wegen ihres persönlichen Charakters noch nie ausgestellt: insgesamt etwa 100 Arbeiten von Josef Albers, Herbert Bayer, Marianne Brandt, Lyonel Feininger, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Gerhard Marcks, Hannes Meyer, László Moholy-Nagy, Georg Muche, Xanti Schawinsky, Oskar Schlemmer, Kurt Schwitters und vielen anderen.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit ca. 120 Seiten und ca. 100 farbigen Abbildungen.

Marcel Breuer und Gunta Stölzl: Der Afrikanische Stuhl
Marcel Breuer und Gunta Stölzl: Der Afrikanische Stuhl, 1921, Foto: Hartwig Klappert, Berlin, 2004, © VG Bild-Kunst Bonn
Ernst von Siemens Kunststiftung, KulturStiftung der Länder, Bauhaus-Archiv GmbH
Ernst von Siemens Kunststiftung, Wittelsbacherplatz 2, 80333 München, KulturStiftung der Länder, Bauhaus-Archiv GmbH

Der Afrikanische Stuhl

Meisterwerk des Bauhauses entdeckt!

16.06 - 24.10.2004

Ein seit 80 Jahren verschollen geglaubtes Werk aus der Anfangszeit des Bauhauses ist wieder da: der 1921 von Marcel Breuer in Zusammenarbeit mit der Weberin Gunta Stölzl geschaffene "Afrikanische Stuhl". Das thronartige Möbel aus bemaltem Holz und farbiger Textilbespannung war bisher nur aus einer zeitgenössischen schwarz/weiß Fotografie bekannt. Wie kein anderes Stück verkörpert es den Geist des frühen Bauhauses. Der Stuhl ist das erste Werk von Marcel Breuer, der später mit seinen Stahlrohrmöbeln Designgeschichte geschrieben hat. Das legendäre Einzelstück konnte nun mit Unterstützung des Ernst von Siemens Kunstfonds für die Sammlung des Bauhaus-Archivs Berlin gesichert werden.

Der aus Eiche hergestellte, in Bemalung und Bespannung starkfarbige Stuhl löst beim Betrachter auch heute noch Assoziationen aus, wie sie mit seinem Titel umschrieben werden - über seine ursprüngliche Bestimmung wird damit aber nichts ausgesagt. Für die Nutzung zur Entstehungszeit lassen sich eine Reihe von möglichen Verwendungszwecken erschließen: So kann dieser Stuhl als "Thron" für den Bauhaus-Direktor gedient haben, in seiner von ihm formulierten Rolle als Meister einer Bauloge, als die sich das frühe Bauhaus verstand. Die thronartige Ausbildung könnte auch auf die in der klassischen Architekturtheorie zu findende Vorstellung der Architektur als der Mutter aller Künste verweisen, mit dem Architekten als Anführer und Organisator - einer Rolle, in der sich Walter Gropius zeitlebens gerne sah. Nicht von der Hand zu weisen ist aber auch die Interpretation dieses Möbels als eine Art Hochzeitsstuhl, der damals engen Beziehung von Marcel Breuer und Gunta Stölzl Ausdruck verleihend. Alle diese Deutungsansätze sind aus den vielen damals am Bauhaus nebeneinander kursierenden Gedanken und Theorien herausgefiltert; auf den Stuhl bezogene Aussagen gibt es weder damals noch später. Mit dem Aufkommen der Bauhaus-Maxime Kunst und Technik - eine neue Einheit ab 1923 wird er jedoch zum Symbol für eine Epoche der Bauhaus-Geschichte, die man hinter sich gelassen hat. Wie kein anderes Stück kann er also der vielschichtigen Gedankenwelt des frühen Bauhauses bildhafte Gestalt verleihen.

Das Bauhaus-Archiv zeigt diesen Stuhl im Zusammenhang mit weiteren Arbeiten aus dem frühen Bauhaus, die seine einzigartige Stellung untermauern. Gleichzeitig wird der von Marcel Breuer 1926 publizierte Bauhaus-Film nachgestellt, der anhand von fünf Möbelstücken versucht, die Entwicklung des Möbeldesigns am Bauhaus zu veranschaulichen: vom Afrikanischen Stuhl bis zum Stahlrohrmöbel.

Erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder und des bauhaus-shops

Elsa Thiemann, Kottbusser Tor
Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Photographie und Architektur, Berlin

Elsa Thiemann: Fotografin

Bauhaus und Berlin

25.02 bis 6.06.2004

Elsa Thiemann (1910 -1981) gehört zu den bisher unbekannteren Namen der Bauhaus-Fotografie. Sie studiert am Bauhaus Dessau Anfang der dreißiger Jahre bei Walter Peterhans. Bevorzugtes Thema dieser Jahre ist das Porträt, der Porträtierte oft ihr späterer Ehemann Hans Thiemann, Student der Malklasse Kandinsky. Ihre gleichzeitigen Entwürfe zur Bauhaus-Tapete, die auf der Grundlage von Fotogrammen entstehen, bilden ein typisches Dokument interdisziplinärer Arbeit am Bauhaus.

Nach Beendigung ihres Studiums 1931 beginnt Elsa Thiemann in Berlin als freie Fotografin und Bildreporterin zu arbeiten. Aus innerer Opposition gegen die nationalsozialistischen Machthaber konzentriert sie ihre Tätigkeit in den nachfolgenden Jahren auf unauffällige Sujets wie das alltägliche Leben in den Straßen Berlins. Dabei meidet Elsa Thiemann jede Form einer politischen Aussage - in ihren Bildern ist der Nationalsozialismus so gut wie nicht existent. Vor diesem Hintergrund wirken ihre eindrücklichen Aufnahmen des zerstörten Berlin wie der Kommentar zum unwiederbringlichen Untergang einer alten Welt.

Erst in den Nachkriegsjahren wendet sich Elsa Thiemann wieder der Porträtfotografie zu. Es entsteht eine Serie von Bildnissen der Künstler aus dem Umkreis der Galerie Rosen, die in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft weitgehend im Verborgenen arbeiteten - dazu gehört auch ihr Ehemann Hans Thiemann. Das wieder aufblühende Berlin der 1950er Jahre hält Elsa Thiemann nun mit einem Blick für das Anekdotische fest, vor allem ihre unmittelbare Wohnumgebung in Neukölln. Kritisch zum eigenen Werk eingestellt, bewahrt sie nur Weniges auf: die Negative aus ihrem fotografischen Nachlaß fanden in einem Schuhkarton Platz.

Die Ausstellung umfasst ca. 100 Fotografien aus den Jahren 1930 bis 1960 - überwiegend Vintage Prints - sowie Entwürfe zur Bauhaus-Tapete. Elsa Thiemanns unbemerktem Lebenswerk widmet das Bauhaus-Archiv die erste Einzelausstellung.

Zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag Kupfergraben mit 72 Seiten und 71 Abbildungen erschienen. Preis an der Museumskasse : 6,- €, im Versand: 9,- € plus Versandkosten.

Walter Gropius, TAC
TAC, Walter Gropius unter Beteiligung von TAC (The Architect's Collaborative), 1969

Mit Kunst leben

Hommage Philip Rosenthal

10.12.2003 bis 9.2.2004

Das Bauhaus-Archiv/Museum für Gestaltung in Berlin erforscht und präsentiert Geschichte und Wirkungen des Bauhauses. Das Bauhaus-Archiv zeigt in einer ständigen Ausstellung Ausschnitte seiner Bauhaus-Sammlung. Wechselnde Sonderausstellungen präsentieren einzelne Künstler oder aktuelle Themenbereiche aus Kunst, Architektur und Design der Moderne.

Bauhaus-Archiv, Bauhaus, Archiv, Museum, Sammlung, Ausstellung, Sonderausstellungen, Austellungsarchiv, Design, Berlin, Das Bauhaus webt, Textilausstellung, Fagus, Industriekultur, Andreas Feininger

Das Bauhaus-Archiv und die Rosenthal AG ehren ihren langjährigen Vorstandsvorsitzenden mit einer umfassenden Retrospektive. 40 Jahre lang hat er das Unternehmen Rosenthal entscheidend geprägt. Die Ausstellung zeigt die Höhepunkte der Arbeit unter seiner Leitung: die Rosenthal Studio-Linie in Zusammenarbeit mit international anerkannten Designern und Künstlern, Design-Klassiker aus dem Programm des Hauses Rosenthal, ausgewählte Stücke aus dem Möbelprogramm sowie Porzellan-Objekte der Rosenthal Limitierten Kunstreihe.

Zu Ehren des 2001 verstorbenen Philip Rosenthal haben außerdem 17 international renommierte Künstler, mit denen er zusammengearbeitet hat, je ein limitiertes Wandobjekt aus Porzellan entworfen. Diese z.T. sehr persönliche Hommage ist ebenfalls Teil der Ausstellung.

Die Zusammenarbeit mit den führenden Künstlern seiner Zeit brachte Philip Rosenthal auch dazu, Walter Gropius mit dem Bau zweier vorbildlicher Fabriken in Selb und Amberg zu beauftragen. Darüber hinaus entwarf der Begründer des Bauhauses auch das bekannte, heute noch erhältliche Teegeschirr TAC 1 - ein Design-Klassiker der Rosenthal Studio-Linie.

1969 wurde Philip Rosenthal Vorstandsvorsitzender des Bauhaus-Archivs. Er leitete die Übersiedlung des Instituts nach Berlin ein und konnte den Bau des nach Entwürfen von Walter Gropius errichteten Museumsgebäudes am Landwehrkanal durchsetzen. Damit trug Philip Rosenthal entscheidend zum internationalen Renommee des Instituts bei. So findet diese Ausstellung in dem 1979 von ihm eröffneten Gebäude einen würdigen Platz.

Der Katalog in deutscher bzw. englischer Sprache kostet 16,80 €.