Bar und Café, Werkbundausstellung Paris 1930
Walter Gropius, Marcel Breuer, Werkbundausstellung Paris 1930: Gesellschaftsraum eines zehnstöckigen Wohnhochhauses: Bar und Café, von oben gesehen, Bauhaus-Archiv Berlin/ Foto: Photo Illustration Paris, 1930

Werkbund-Ausstellung Paris 1930

Leben im Hochhaus

21.11.07 bis 7.4.08

Nur wenige Ausstellungen der Moderne erlangten eine solche Bedeutung wie die des Deutschen Werkbundes in Paris 1930. Sie vereinte eine kompromißlose Gestaltung mit einem neuen Gesellschaftsmodell: die Vision modernen Lebens im Hochhaus. Verantwortlich zeichnete Walter Gropius, der mit seinen ehemaligen Kollegen am Bauhaus Herbert Bayer, Marcel Breuer und László Moholy-Nagy ein Team bildete. Zum ersten Mal seit 1910 war Deutschland zur Teilnahme am Salon der Société des artistes décorateurs (Vereinigung der französischen Inneneinrichter) eingeladen, der vom 14. Mai bis 13. Juli 1930 im Pariser Grand Palais stattfand. Die Section allemande (Deutsche Abteilung) umfaßte fünf Säle, wobei Gropius den inhaltlichen Schwerpunkt auf die Gestaltung des Lebens in einem zehngeschossigen Wohnhotel legte. Im Mittelpunkt der Section allemande stand ein spektakulär gestalteter Gesellschaftsraum, der dem Bewohner des Wohnhotels gesellige wie individuelle Freizeitangebote (Café-Bar, Tanzfläche, Bibliothek) ermöglichte, wobei der sportlichen Betätigung (Turngeräte, Schwimmbad, Massage) besondere Bedeutung zukam. Hier herrschte die elegante Atmosphäre eines modernen Clubs, dem jeder verordnete Charakter der Kollektivität abging. In einem anderen Saal demonstrierte Marcel Breuer wie ein platzsparend und mit leichten Stahlrohrmöbeln eingerichtetes Apartment für ein kinderloses Paar aussehen könnte.

Herbert Bayer gestaltete eine Ausstellung zur neuen deutschen Architektur, indem er Großfototafeln in unterschiedlichen Winkeln von der Decke abhängte. In senkrechten Reihen befestigte er Stühle an den Wänden, wodurch das Prinzip der Gleichartigkeit in der seriellen Produktion verdeutlicht werden sollte.
Diese Absicht unterlag auch der Musterschau von Alltagsgegenständen, die den starken Anteil Deutschlands an der Entwicklung moderner industrieller Erzeugnisse herausstellte.
Auffällig präsentiert waren schließlich auch die Exponate der Theaterabteilung. Erstmals kam hier der Lichtraum-Modulator von László Moholy-Nagy zur Aufstellung – eine kinetische Lichtskulptur – in einem mit farbigen Glühbirnen beleuchteten Gehäuse.

Mit der Werkbund-Ausstellung Paris 1930 stellten Gropius und sein Team ein radikal modernes Deutschland zur Schau.

Anläßlich des 100. Gründungsjubiläums des Deutschen Werkbundes rekonstruiert das Bauhaus-Archiv den Gesellschaftsraum, den Architekturraum und Teile des Theaterraums der epochalen Section allemande in Paris 1930.

Publikation zur Ausstellung: 32 Seiten, 24 Abb., € 4 an der Museumskasse, € 6 im Versand.

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

Einladung zur Ausstellungseröffnung (PDF)
Flyer zur Ausstellung (PDF)

Bruno Taut, Wohnstadt Carl Legien
Wohnstadt Carl Legien, Bruno Taut, 1928 -30

Berliner Siedlungen der 1920er Jahre

Kandidaten für das UNESCO Welterbe

25.07.07 bis 22.10.07

Berlin zeichnet sich durch einen reichen Bestand an Wohnanlagen der Weimarer Republik aus, die nicht nur stilprägende Werke der modernen Architektur, sondern auch Zeugen der sozialen Aufbruchsstimmung der 20er Jahre sind. Sechs dieser Siedlungen sind Kandidaten für die Welterbeliste der UNESCO: Gartenstadt Falkenberg, Siedlung Schillerpark, Hufeisensiedlung Britz, Wohnstadt Carl Legien, Siemensstadt und Weiße Stadt. Ihre Architekten gehören zu den wichtigsten Akteuren des Neuen Bauens: Otto Bartning, Fred Forbat, Walter Gropius, Hugo Häring, Paul Rudolf Henning, Otto Rudolf Salvisberg, Hans Scharoun, Bruno Taut und Martin Wagner oder Ludwig Lesser sowie Lebrecht Migge für die Gartenanlagen.

Über ein neu eingeführtes Mietsteuergesetz initiierte die Weimarer Republik ein in Europa einzigartiges Wohnungsbauprogramm, das das Versprechen der demokratischen Verfassung einlösen sollte, "jedem Deutschen eine menschenwürdige Wohnung" als Grundrecht zu garantieren. Bevorzugt auf preisgünstigem Land an der Peripherie der Städte, jedoch in erreichbarer Nähe zu öffentlichen Nahverkehrsmitteln, entstanden Siedlungskomplexe unterschiedlich großen Zuschnitts. Bauherren waren überwiegend gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften.

Farbkonzepte, neue Gestaltungsformen, Kombinationen von niedrigen Reihenhäusern und höheren Geschosswohnungsbauten, großzügige Grünanlagen, optimale Besonnung sind wichtige Kennzeichen einer architektonischen Vielfalt und geglückter Wohnungspolitik. Seit den 70er Jahren werden in Berlin Beispiele dieses Reformwohnungsbaus nach vorbildlichen denkmalpflegerischen Konzepten instandgesetzt. Mit dem 2006 eingereichten Antrag der Bundesrepublik für die Aufnahme der sechs Siedlungen in die Liste des UNESCO Welterbes macht Berlin einen weiteren Schritt, um seinem architektonisch einmaligen Erbe einen Platz im Kulturgut der Menschheit zu sichern.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Landesdenkmalamt Berlin und wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie der GEHAG Gruppe gefördert. Die Deutsche UNESCO-Kommission e.V. hat die Schirmherrschaft übernommen.

Die Pressekonferenz erfolgt in der Form eines gemeinsamen Pressegesprächs mit Vertretern der UNESCO, des Landesdenkmalamtes, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Vertretern der Wohnungsbaugesellschaften der sechs Siedlungen.

Zur Ausstellung erscheinen folgende Publikationen:

Siedlungen der Berliner Moderne
Nominierung für die Welterbeliste der UNESCO
Eine deutsch-englische Dokumentation, herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, 272 Seiten, ca. 200 z. T. farbige Abbildungen, Euro 29,80.

Siedlungen der Berliner Moderne
herausgegeben von Jörg Haspel und Annemarie Jaeggi, ca. 96 Seiten mit ca. 40 meist farbigen Abbildungen € 7.-/ an der Museumskasse € 5.-

die moderne in berlin
73 bauten 1909-1937
Eine Karte mit 73 Bauten in Berlin, die mit kurzem Text und Bild auf der Karte verzeichnet sind.
Die Karte kostet an der Museumskasse Euro 4,80.

Entnehmen Sie dem Flyer zur Ausstellung (PDF) weitere Informationen zu den Berliner Siedlungen der 1920er Jahre und zum Begleitprogramm.
Einladung zur Ausstellungseröffnung (PDF)

'Seltsam' Tanz aus Loheland
'Seltsam' Tanz aus Loheland, um 1920, Tänzerin: Eva-Maria Deinhardt, Archiv Loheland-Stiftung

Lichtbildwerkstatt Loheland

Fotografien einer neuen Generation Weib

25.04.07 bis 09.07.07

Im Gründungsjahr des Bauhauses 1919 begannen Louise Langgaard und Hedwig von Rohden, in der Nähe von Fulda die Siedlung Loheland zu errichten, um dort junge Mädchen und Frauen zu Gymnastiklehrerinnen auszubilden - einem Beruf, der sich in diesen Jahren entwickelte und der Frauen die Möglichkeit eigenständiger beruflicher Tätigkeit bot. Darüber hinaus konnten die Schülerinnen in Werkstätten arbeiten oder eine Lehrlingsausbildung durchlaufen. Die Schule fand schnell als führende Frauenbildungsstätte Deutschlands hohe Anerkennung; ihre Produkte waren auf vielen Ausstellungen zu sehen, so auf der Weißenhofausstellung 1927 und der Werkbund-Schau in Paris 1930.

Die Werbung für Schule und Produkte Lohelands war professionell und zeugt von einer klaren Strategie: "Reklame muss sehr energisch und durchgreifend geschehen, wenn pekuniärer Erfolg zustande kommen soll" (Hedwig von Rhoden). Wie kaum ein anderes Institut setzte Loheland hierbei auf die Fotografie. Unter der Leitung von Valerie Wizlsperger wurde eine Fotowerkstatt eingerichtet, deren Aufnahmen Unterricht wie Erzeugnisse der Schule deutschlandweit bekannt machten und die anerkannt hohe Qualität der Werkstattprodukte mit Hilfe dieses Mediums zur verdeutlichen verstand. Den Vergleich mit den anerkannten Meistern des Fachs wie Renger-Patzsch oder Finsler brauchen sie nicht zu scheuen.

Bereits zur Entstehungszeit war Loheland weithin bekannt durch seine Ausdruckstänze, die in zahlreichen Großstädten aufgeführt wurden. Die Fotoserien, die diese Tänze dokumentieren, gehören zu den wichtigsten Dokumenten des Ausdruckstanzes in diesen Jahren.

Loheland ist aber noch auf besondere Weise mit der Geschichte der Photographie verbunden, dennLászló Moholy-Nagy erhielt hier wohl eine der entscheidenden Anregungen zu seinen Photogrammen. Arbeiten der Loheländerin Bertha Günther haben ihn zu eigenem Schaffen angeregt. Die Ausstellung wird diese ungewöhnlichen Kunstwerke erstmals vollständig präsentieren.

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Loheland-Stiftung erarbeitet und wird von einem Katalog begleitet.

Coverdesign für die "Neue Linie"
László Moholy-Nagy, coverdesign for the first edition in september 1929

die neue linie

Das Bauhaus am Kiosk

Laufzeit: 21.2 - 16.4.2007

Zwischen 1929 und 1943 erschien 'die neue linie' im Leipziger Beyer-Verlag als die herausragende Lifestyle-Illustrierte ihrer Zeit. Keine andere Zeitschrift setzte in ihrer Gestaltung die Ideen der typografischen Moderne so konsequent um. Führende Grafik-Designer aus dem Bauhaus wieLászló Moholy-Nagy und Herbert Bayer prägten das Erscheinungsbild der Illustrierten.

Neue Typografie, klare Formen, schnörkellose Schrift, dynamische Diagonalen und dramatische Fotomontagen sorgen für ein auffallendes Erscheinungsbild. Inhaltlich setzte 'die neue linie' auf ein anspruchsvolles Niveau. Literarische Gastautoren wie Aldous Huxley, Gottfried Benn oder Thomas Mann lieferten Beiträge. Der Modeteil - höchstens ein Viertel des Umfangs - bildete raffinierte Entwürfe ab, die die elegante Damenwelt der Weimarer Republik ansprach.

Große Gewichtung hatte alles was mit "Schöner Leben" zusammenhing. Das macht 'die neue linie' zu einem Vorläufer heutiger Lifestyle-Magazine. Aktuelle architektonische Trends stellte unter anderem Walter Gropius vor. Als vorbildliches Design werden Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer oder die "Frankfurter Küche" präsentiert. Die Werbeseiten, gestaltet von Ex-Bauhäuslern wie Herbert Bayer, Kurt Kranz oder den Brüdern Neuner, wandten sich an ein zahlungskräftiges Publikum und die intellektuelle Oberschicht. 40.000 Auflage und der Preis von 1 RM bestätigen dies.

Dass die modern aufgemachte Zeitschrift in den nationalsozialistischen Jahren und während der Kriegszeit von Repressalien weitgehend verschont blieb, ist darauf zurückzuführen, dass 'die neue linie' als schöngeistiges Alibi einer weitgehend gleichgeschalteten Nazipresse diente. Die Grenzen journalistischer Freiheit waren eng, zu keiner Zeit gab es regimekritische Beiträge, aber möglich war dennoch der völlige Verzicht auf antisemitische Hetzpropaganda. Mit Kriegsbeginn dominierten militärische Abbildungen die Titelseiten, deutsche Klassik und alte Meister hielten Einzug in die Hefte.

Ausstellung und Katalog, die das wechselhafte Schicksal der Illustrierten beleuchten, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt.

Zur Ausstellung erscheint: Patrick Rössler, die neue linie 1929-1943. Das Bauhaus am Kiosk. Großformat, 176 Seiten, ca. 300 Abb., an der Museumskasse € 17,50.

Schachtisch
Josef Hartwig, Schachtisch mit Armlehnstuhl, 1924, Eiche massiv und z.T. furniert auf Leimholz, Buchenholzverstärkungen; Schachbrett:Mahagoni und Ahorn auf Leimholz; ausziehbare Tabletts: Eiche massiv und z.T. furniert auf Sperrholz, Flachpolster mit erneuertem Bezug

Schenkung Dora Hartwig

Laufzeit: 06.12.2006 bis 05.02.2007

Josef Hartwig war Werkmeister der Bildhauerei am Weimarer Bauhaus. Seine Tochter Dora Hartwig hat dem Bauhaus-Archiv 2003 in einer großzügigen Schenkung nicht nur den von ihrem Vater für sein berühmtes Bauhaus-Schachspiel entworfenen Spieltisch übereignet, sondern auch eine Vielzahl bedeutender Kunstwerke aus seinem Besitz. Darunter sind äuüerst seltene Druckgraphiken seiner Bauhauskollegen Feininger, Kandinsky, Klee und Schlemmer sowie ein umfangreiches Konvolut von Zeichnungen und eine Skulptur von Gerhard Marcks. Von ganz besonderer Bedeutung ist ein Josef Hartwig gewidmetes Exemplar der "Apokalypse" von Max Beckmann, der bis zu seiner Entlassung 1933 gemeinsam mit Hartwig an der Frankfurter Kunstschule lehrte. Das mit handkolorierten Lithographien illustrierte Buch wurde im Kriegsjahr 1943 unter Umgehung der nationalsozialistischen Zensur in kleinster Auflage hergestellt.

Im Zentrum der Ausstellung steht Josef Hartwigs legendäres funktionalistisches Schachspiel, das er 1922 bis 1924 am Bauhaus entwickelte. Die Form der Spielfiguren ist hier nicht mehr durch historische Vorbilder, sondern allein durch ihre Funktion im Spiel bestimmt. Jedem, auch dem Anfänger, sollen sich dadurch die Regeln des Spiels leicht erschlieüen. "Die neuen Spielsteine", so Josef Hartwig, "sind gebildet aus den stereometrischen Grundformen: Würfel und Kugel. Einzeln oder kombiniert geben sie durch ihre Form die Gangart, durch ihr Volumen den Wert an. Der Bauer und der Turm ziehen winkelrecht zum Brettrand, ausgedrückt durch den Würfel. Der Springer bewegt sich rechtwinklig in Hakenform, rechtwinklige Würfelanordnung. Der Läufer zieht diagonal zum Brettrand: ein aus dem Würfel geschnittenes Schrägkreuz. Der König zieht winkelrecht und diagonal: ein kleiner Würfel übereck auf einem gröüeren. Die Dame, die beweglichste Figur, besteht aus Würfel und Kugel." Das Spiel wurde in zahlreichen Form- und Materialvarianten ausgeführt, die hier erstmals im Zusammenhang zu sehen sind - von den frühen Einzelstücken bis zum seriell und preiswert produzierten "Gebrauchsspiel".

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation über das Bauhaus-Schachspiel, 48 Seiten, 27 Abbildungen, Museumskasse: € 8.-, Versand: € 12,50 incl. Mwst. zzgl. Versandkosten.

Gropius-Büste

Gropius-Büste von Bernhard Heiliger

Am Dienstag, dem 6. Dezember 2005, wurde im Foyer des Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung eine Portraitbüste von Walter Gropius aufgestellt, die der Bildhauer Bernhard Heiliger angefertigt hat. In Anwesenheit der Staatssekretärin für Kultur, Frau Barbara Kisseler, enthüllte die Tochter von Walter Gropius, Frau Beate Gropius Johansen, die Büste. Sie kam eigens für diesen Anlaß aus den USA nach Berlin.

Das 1959 geschaffene Porträt des Architekten und Bauhaus-Gründers Walter Gropius (1883-1969) gehört zur Serie der Köpfe, die Bernhard Heiliger (1915-1995) in der Nachkriegszeit von bedeutenden Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaften und Künsten schuf. Es handelt sich hierbei um die einzige bekannte Portraitbüste von Walter Gropius überhaupt. Mit der freundlichen Hilfe der Bernhard Heiliger Stiftung konnte von dem in Zementguß angefertigten Original ein Bronzeabguß für das Bauhaus-Archiv hergestellt werden.

Walter Gropius ist nicht nur der Gründer des Bauhauses, sondern auch der maßgebliche Motor bei der Gründung des Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung im Jahr 1960 gewesen. Mit der Schenkung eines umfangreichen Teils seines eigenen Werkarchivs legte er den Grundstock für die Dokumenten- und Architektursammlung unseres Hauses. Für das Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung entwarf er ferner das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit seinen einprägsamen Shed-Dächern.

Zollverein School of Management & Design, Essen
Zollverein School of Management & Design, Essen, 2006, Fotograf Thomas Mayer

SANAA

Kazuyo Sejima + Ryue Nishizawa

Laufzeit: 20.09. bis 20.11.2006

Das 1995 gegründete Tokioter Architekturbüro SANAA (eine Abkürzung für Sejima And Nishizawa Associated Architects) gehört international zu den innovativsten Architekturbüros. Am 31. Juli 2006 wurde unter großer Medienpräsenz ihr erster Bau in Deutschland, die Zollverein School of Management and Design in Essen, eröffnet. Insbesondere im Bereich des Museumsbau ist SANAA sehr erfolgreich. In Kanazawa (Japan) bauten sie das Museum des 21. Jahrhunderts für Zeitgenössische Kunst. Ende August wurde der Glass Pavillion des Toledo Museum of Art in Toledo/Ohio eröffnet, nächstes Jahr folgt das Museum of Contemporary Art in New York. 2005 ging SANAA als Sieger aus dem Wettbewerb für die Dependance des Louvre im nordfranzösischen Lens hervor. Mit der Fertigstellung wird 2008 gerechnet. Die Entwürfe bestechen durch Einfallsreichtum, subtile Lösungen komplexer Aufgaben. Die Formsprache ist minimalistisch und klar, die bevorzugten Materialien transparent und leicht. Die Bauten fügen sich in ihre Umgebung, korrespondieren mit Bestehendem - Gebäuden, Grünflächen, Natur. 2005 gewann SANAA unter sechs eingeladenen, international tätigen Architekturbüros den Wettbewerb für die Erweiterung des Bauhaus-Archivs. Die hochkarätig besetzte Jury empfahl ihre Lösung auch einstimmig zur Ausführung. Innerhalb der Ausstellung wird unser Bauprojekt einen Schwerpunkt bilden. Auf ihrer Europatournee ist das Bauhaus-Archiv der einzige Ausstellungsort in Deutschland. Anlässlich der Ausstellung erscheint workbook_1, das die zukünftige bauliche wie inhaltliche Ausrichtung des Bauhaus-Archivs vorstellt. 

Mies Memory Box
Collage der Mies Memory Box, Standort Haus Wolf in Gubin, aus: xth architekten, Berlin

Mies van der Rohe

Mies-Memory-Box

Laufzeit: 26.7. - 4.9.2006

Knapp 20 Jahre lang stand am östlichen Neiße-Ufer von Guben das Haus des Textilfabrikanten Erich Wolf. Es ist das moderne Erstlingswerk (1925-27) des späteren Bauhaus-Direktors Ludwig Mies van der Rohe. Zum Kriegsende wurde das Haus stark zerstört und später abgetragen, die Stadt Guben wurde geteilt. Heute befindet sich am Standort im polnischen Teil der Doppelstadt Guben/Gubin ein kleiner Park. Die Fundamente des Hauses Wolf wurden erst 2002 auf Initiative der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land ausgegraben und mit Unterstützung des New Yorker Museums of Modern Art (MoMA), das den Nachlaß Mies van der Rohes besitzt, vermessen. Mit der Mies-Memory-Box erinnert die IBA an diesen verschwundenen Meilenstein der Architekturgeschichte.

Der ca. drei mal drei Meter große mobile Kubus aus halb-transparentem Composite-Werkstoff zeigt in seinem Inneren bewegliche Schautafeln, die über Guben/Gubin, den Architekten sowie das Haus Wolf und die anderen IBA-Projekte in Guben und Gubin informieren. Zu sehen sind außerdem Grabungsfunde - z.B. Scherben der einstigen Porzellansammlung Wolf - sowie einige noch nie öffentlich gezeigte historische Fotos aus dem Besitz des MoMA und der Familie Wolf. Zwei Stahlrohrstühle nach Entwurf von Mies van der Rohe und Lilly Reich laden den Besucher zum Verweilen ein. Zum genaueren Nachlesen über die Entstehung des Hauses Wolf und zur Einordnung in das internationale Werk des deutsch-amerikanischen Architekten liegt eine kostenlose Broschüre aus.
Die Box fand zuerst am Standort des Hauses Wolf in Gubin Aufstellung und wanderte dann weiter nach Breslau. Ab dem 25.7. steht sie auf dem Gelände des Bauhaus-Archivs in Berlin. Anschließende Stationen werden Dessau und Stuttgart sein.

Im Rahmen der Eröffnung der Mies-Memory-Box im Bauhaus-Archiv Berlin am 25.7. um 19 Uhr findet eine Podiumsdiskussion über "Mies van der Rohe und seine Villen" statt. Teilnehmer sind: Barry Bergdoll, Jan Maruhn, Wita Noack und Lars Scharnholz; Moderation: Annemarie Jaeggi

Wanderausstellung Mies-Memory-Box:
27. Mai bis 5. Juni: Gubin (am Standort des Wolf-Hauses an den Neiße-Terrassen)
9. Juni bis 23. Juli: Breslau, Architekturmuseum
26. Juli bis 4. September: Berlin, Bauhaus-Archiv
8. September bis 3. Oktober: Dessau (am Standort der ehemaligen Mies'schen Trinkhalle)
6. Oktober bis 5. November: Stuttgart (Weißenhofsiedlung)

Auftraggeber: Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land Konzeption und Projektentwicklung: ts redaktion (Berlin) und XTH-BERLIN

László Moholy-Nagy, Neonlichter
László Moholy-Nagy, Neonlichter, 1939

Color in Transparency

László Moholy-Nagy

Fotografische Experimente in Farbe, 1934-1946

21.Juni bis 4.September 2006

László Moholy-Nagy gehört zu jenen Modernen des jungen 20. Jahrhunderts, die sich parallel zu den "klassischen" Künsten mit den technischen Medien Fotografie und Film auseinandergesetzt haben. Ihm gebührt das Verdienst, die durch Walter Gropius 1923 initiierte neue Ausrichtung des Bauhauses unter dem Motto "Kunst und Technik - eine neue Einheit" besonders mit seinen fotografischen Konzepten unterstützt und populär gemacht zu haben.

In den frühen 1930er Jahren wurden die ersten Farbfilmverfahren marktfähig. Nachdem Moholy-Nagy - ausgehend vom Fotogramm - als bahnbrechender Visionär des "Neuen Sehens" sämtliche Bereiche der Schwarzweißfotografie für sich erobert hatte, war die Hinwendung zur Farbfotografie logische Konsequenz seines künstlerischen Schaffens. Auf den Stationen seiner Emigration in Holland und England sowie zuletzt am New Bauhaus in Chicago wurde dieses Medium für ihn zu einem wichtigen Wirkungsfeld künstlerischer Produktion.

Experimentierlust, hinreichend ausgelotetes Formen- und Farbspektrum in der "traditionellen" Schwarzweißtechnik und nicht zuletzt die Hoffnung auf neue, kommerzielle Anwendungsbereiche führten Moholy-Nagy zur Beschäftigung mit der Farbe. Aber während sein fotografisches Oeuvre in schwarz-weiß publiziert vorliegt, so sind - und das kommt einer kleinen kunsthistorischen Sensation gleich - Moholy-Nagys farbfotografische Arbeiten bis auf wenige Ausnahmen noch heute unveröffentlicht!

Die Ausstellung Color in Transparency. László Moholy-Nagy Fotografische Experimente in Farbe, 1934-1946 und das sie begleitende Buch stellen sich der Aufgabe, ein fotografiehisto-risch interessiertes Publikum mit diesem unentdeckten Werkbereich des ungarischen Kon-struktivisten und Bauhausmeisters bekannt zu machen. 55 dieser farbigen Fotografien - abstrakte Kompositionen, Porträts, Werbung, Stadtlandschaften, Studien aus der School of Design, Chicago - werden in großformatigen Leuchtrahmen präsentiert.

Gastkuratorin der Ausstellung ist die Fotohistorikerin Jeannine Fiedler.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Steidl, Göttingen, für 19,50 € an der Museumskasse.

Während der Laufzeit dieser Ausstellung präsentierten wir außerdem:

DYNAMIK DER GROSS-STADT

DYNAMIK DER GROSS-STADT

Ein filmisches Experiment nach László Moholy-Nagy

Dauer: 6 Minuten / Realisiert 2005/06
Universität der Künste Berlin
21. Juni bis 04.September 2006

In seinem Bauhaus-Buch "Malerei Photographie Film" publizierteLászló Moholy-Nagy 1925 die Vision eines "Simultan- oder Polykinos": Um von der bildhaften Kinoleinwand loszukommen, forderte er den gleichzeitigen Einsatz mehrerer Projektionen. Als Beispiel für ein solches Lichtspiel fügte er die als "Typophoto" ausgestaltete "Skizze zu einem Film" mit dem Titel: "Dynamik der Gross-Stadt" bei. Moholy selbst hat diese "Skizze" niemals als Film ausgeführt.

"Dynamik der Gross-Stadt" bewegt sich auf der Grenzlinie von Futurismus, Dadaismus und Konstruktivismus. In filmischer Weiterführung der Fotomontage wollte Moholy die formalen und emotionalen Energien der modernen Großstadt durch schlagkräftige Kontraste starker Bewegungsbilder erlebbar machen und damit ein "Neues Sehen" heranbilden. Verfremdungen und surreale Momente sind mehrfach eingebaut und lassen neben Technikoptimismus auch Groteske und Unheimliches aufscheinen - alles jedoch ohne das geringste Pathos der "Moderne".

Eine Projekt-Gruppe der Universität der Künste Berlin hat sich ein Jahr lang mit diesen Fragen befaßt und das Experiment gewagt, Moholys "Skizze" mit einfachen Mitteln in Film umzusetzen. Sie interpretierte Moholys Zielsetzung vor allem in der filmischen Idee, d.h. in der optischen Erweiterung des bewegten Bildes und seiner visuellen Erlebnisqualitäten, und sah sich herausgefordert, von dort aus Verbindungen zu heutigen Erfahrungen von Großstadt zu ziehen. Das Prinzip von Collage und Montage wurde beibehalten.

Projektgruppe: Nike Arnold, Andreas Haus, Aline Helmcke, Frank Hoppe, Frédéric Krauke, Walter Lenertz

Mineralwasserflasche
Mineralwasserflasche für Deutsche Brunnen, 1969, Foto: Stephan Klonk

Günter Kupetz

Industrial Designer

5. April bis 5. Juni 2006

Fast jeder kennt die von Günter Kupetz entworfenen Gegenstände des täglichen Gebrauchs, verbindet damit aber keinen Namen: denn völlig selbstverständlich dienen sie uns und genauso selbstverständlich bedienen wir uns ihrer. Zu nennen wären die Pril-Spülmittelflasche (1960), das Tastentelefon für AEG Telefunken (1962/63) oder der Hähnchengrill der Wienerwald-Restaurants (1963). Am bekanntesten ist aber sicher die 1968/69 entworfene Normbrunnenflasche für Mineralwasser, kurz: Perlenflasche genannt. Seit 1971 wurden 5 Milliarden Stück hergestellt und man darf sie daher wohl zurecht als Deutschlands erfolgreichste Mehrwegverpackung bezeichnen.

In seinem Werk verkörpert der 1925 geborene Designer und Hochschullehrer Günter Kupetz wie kaum ein anderer die Gründerstimmung einer neuen Disziplin - die des Industrial Designs. Vor dem Hintergrund der veränderten gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen beteiligte er sich in den 1950er und 1960er Jahren am internationalen Dialog um eine zeitgemäße Industrieform.

Mit seinen Metall- und Glasentwürfen für die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF), die den Nerv der Zeit trafen und für den Aufbruch einer modernen Nachkriegsgeneration stehen, ist Günter Kupetz an der Mailänder Triennale 1957 und der Weltausstellung in Brüssel 1958 beteiligt. Einige dieser Entwürfe finden sich in der Sammlung des Museum of Modern Art in New York.

Die Ausstellung erfolgt anläßlich des 80. Geburtstages von Günter Kupetz.

Zum Lebenswerk von Günter Kupetz erscheint eine Publikation im Birkhäuser Verlag, die als Begleitbuch zur Ausstellung angeboten wird. Preis: € 29,90

Die Ausstellungsgestaltung konzipierte Macus Botsch, Berlin.

Alma Buscher, Bauspiel
Alma Buscher, Bauspiel, 1924, Foto nach Reproduktion von Naef, Bauhaus-Archiv Berlin, Foto: Bauhaus-Archiv Berlin

Alma Siedhoff-Buscher

Eine neue Welt für Kinder

20. Januar bis 20. März 2006

Die Welt des Kindes hat das Bauhaus die ganze Zeit seines Bestehens begleitet. Beginnend mit einer Bude auf dem Weimarer Marktplatz 1919, wo Bauhäusler selbstgefertigtes Spielzeug verkauften, bis hin zur letzten Preisliste mit Bauhaus-Produkten von 1931, die nach wie vor Kindermöbel aufführte. Im Zentrum der Entwicklung stand die Studierende Alma Buscher, die ab 1923 innovative Kinderzimmereinrichtungen und ganz auf kindliche Bedürfnisse abgestimmtes Spielzeug entwarf.

Im Frühjahr 1922 schreibt sie sich am Bauhaus Weimar ein und durchläuft trotz umfangreichen Vorbildung den Vorkurs bei Johannes Itten. Anschließend wird ihr wie allen Frauen am Bauhaus die Weberei als Ausbildungsstätte zugeteilt. Nach wenig erfolgreichen Versuchen dort schlägt sie Gropius vor, in der Holzbildhauerei Kinderspielzeug und Gebrauchsgegenstände zu entwickeln. Ihr gelingt, was damals nur ganz wenigen Frauen am Bauhaus gelungen ist: der Ausbruch aus der Weberei. Ihr Können beweist sie bei der Einrichtung des Kinderzimmers im Haus am Horn während der Bauhaus-Ausstellung 1923. Mit diesem Kinderzimmer erzielt sie einen bemerkenswerten Erfolg. Sein Interieur wird Teil der offiziellen Selbstdarstellung des Bauhauses und 1924 auf mehreren Ausstellungen zusammen mit ihrem in der Zwischenzeit entwickelten Spielzeug gezeigt.

Die Bedeutung dieser Ausstattung ist nicht nur ein nach modernen gestalterischen Gesichtspunkten konzipiertes Kinderzimmer, sondern auch eines, das konsequent auf das Kind und seine Bedürfnisse hin ausgerichtet ist. Demonstrativ werden Kinder nicht mehr als kleine Erwachsene betrachtet und ein Raum für Kinder nicht mehr mit Verkleinerungen von Einrichtungsgegenständen aus der Guten Stube ausgestattet.

Alma Buscher zieht 1925 mit dem Bauhaus nach Dessau um, kann dort ihre erfolgreiche Tätigkeit aber nicht fortsetzen. Da das Bauhaus sich nicht stärker für ihre Sache engagieren will, entwickelt sie für den Spielehersteller Otto Maier in Ravensburg, der damals gerade erste modern gestaltete Spiele auf den Markt brachte, zwei Ausschneidebögen.

Für ihre gesamte Arbeit fand László Moholy-Nagy schon 1924 charakteristische Worte: "In dem Spielzeug und Spielschrank drücken sich die pädagogischen Grundsätze des Bauhauses klar aus: schöpferische Selbstbestätigung als Grundlage des elementaren Lebensausdrucks."

Zur Ausstellung ist ein Katalog mit 104 Seiten erschienen, Preis: 14.95 €.

Gertrud Arndt, Selbstportrait
Gertrud Arndt, Selbstportrait

Gertrud Arndt

Die Maskenportraits

Dessau 1930

'Aus Langeweile'

photographiert Gertrud Arndt -seit 1927 Frau des Bauhaus-Meisters Alfred Arndt - 1930 in Dessau eine über 40 Aufnahmen umfassende Serie von Selbstportraits.

Mit wenigen Hilfsmitteln, unterstützt durch Mimik und Gestik inszeniert sie sich ohne sich mit der gewählten Rolle zu identifizieren. Die Photographin verzichtet bewußt auf festlegende Titel und wählt statt dessen die anonyme Numerierung.

Es sind Arbeiten, die ursprünglich nicht zum Ausstellen geschaffen wurden und deren Entstehung die besondere Situation der Frauen der Bauhaus-Meister widerspiegelt.

Anläßlich Ihres 100. Geburtstages zeigt das Bauhaus-Archiv die vollständige Serie, die heute zu den Klassikern der Portraitphotographie der Weimarer Republik gehört.

Das Bauhaus-Archiv dankt dem Nachlaß der Künstlerin für die Überlassung der Leihgaben.