Marianne Brandt, Tee-Extraktkännchen
Marianne Brandt, Tee-Extraktkännchen, 1924, Messing, Silber, Ebenholz
Tischleuchte MT9
Abbildung der Tischleuchte MT9 aus: Neue Arbeiten der Bauhauswerkstätten (Bauhausbücher 7), München 1925

Die Metallwerkstatt

Der handwerklichen Orientierung des frühen Bauhauses folgend, wurden in der Weimarer Metallwerkstatt - zunächst noch "Gold-, Silber und Kupferschmiede" genannt - die traditionellen Techniken der Metallbearbeitung gelehrt.

In den Anfangsjahren war Johannes Itten ihr künstlerischer Leiter, Werkmeister war von 1922 bis 1925 der erfahrene Silberschmied Christian Dell. Die frühen Produkte der Schüler zeigten deutlich den Einfluß der Lehre Ittens: Vorrangig ging es bei der Herstellung von Gefäßen und Geräten um freie Formstudien, um das experimentelle Erfassen der metallischen Werkstoffe und ihrer Bearbeitungsmöglichkeiten. Mit der Übernahme der Werkstattleitung durch László Moholy-Nagy trat seit 1923 der funktionale Aspekt stärker in den Vordergrund. Es entstanden schlichte, auf Elementarformen reduzierte Gefäße aus Messing, vernickeltem Messing oder Silber, die bereits für die industrielle Serienproduktion konzipiert waren, jedoch weiterhin als Einzelstücke oder in handwerklichen Serien ausgeführt wurden.

Auch die ersten Modelle für Beleuchtungskörper aus Glas und Metall entstanden in dieser Zeit, darunter die "Bauhaus-Leuchte" von Carl Jakob Jucker und Wilhelm Wagenfeld. In Dessau ermöglichte die Ausrüstung der neuen Werkstatträume mit entsprechenden Maschinen die rationellere Serienproduktion von Gefäßen und Geräten. Schon 1926 konnte die Metallwerkstatt Entwurf und Produktion aller Leuchten für das neue Dessauer Bauhausgebäude übernehmen. Sie erhielt in den folgenden Jahren zunehmend den Charakter eines "Entwurfslaboratoriums" für neue Beleuchtungskörper und wurde schließlich, nachdem mehrere Lampenhersteller ihre Modelle in die Serienfertigung übernahmen, zu einer der produktivsten und erfolgreichsten Werkstätten am Bauhaus.

Einige der hier entwickelten Leuchtentypen - so die Kandem- Lampen von Marianne Brandt und Hin Bredendieck - wurden auch nach der Schließung des Bauhauses noch jahrzehntelang weiterproduziert.