Gobelin
Ruth Hollós-Consemüller, Gobelin, um 1926, Wolle, Baumwolle
Entwurf für eine wollene Decke
Kitty Fischer-van der Mijll-Dekker, Entwurf für eine wollene Decke, 1932, deckfarben auf kariertem Papier

Werkstatt für Weberei

Die Werkstatt für Weberei war von Anfang an die Domäne der Frauen. Schon seit dem Jugendstil galt das kunsthandwerkliche Weben als ein besonders für Frauen geeigneter Beruf, aber die Verknüpfungen zwischen Weiblichkeit und Textil gehen viel weiter zurück. Einige der ans Bauhaus kommenden Frauen wählten die Weberei bewußt als Berufsziel, die Mehrheit aber wurde vom Meisterrat bevorzugt in die Weberei geschickt, "um unnötige Experimente zu vermeiden" und die wenigen Werkstättenplätze für angeblich besser geeignete Männer zu reservieren. In der Weimarer Zeit des Bauhauses gelang nur besonders begabten oder besonders hartnäckigen Frauen der Sprung in eine andere Werkstatt.

Anfänglich bot die handwerkliche Leiterin Helene Börner alle kunsthandwerklichen Arbeitstechniken an, aber bald lag der Schwerpunkt auf der Technik, die die besten Voraussetzungen zur Ankoppelung an das Bauhausprogramm bot, der Weberei. Hier konnte "Versuchsarbeit" für industrielle Fertigung geleistet werden. Die Produktpalette umfaßte unter anderem Kissen, Decken und Kleiderstoffe, aber auch Knüpfteppiche, Gobelins und Wandbehänge. Zur Ausstattung in Weimar gehörte auch ein Jacquardwebstuhl.

Die wichtigsten Anregungen für Muster und Farbgestaltung lernten die Schülerinnen im Unterricht von Johannes Itten, Georg Muche und später von Paul Klee. Obwohl "Funktion" auch in der Weberei zu den oft beschworenen Worten gehörte, blieb doch lange eine starke ästhetische Orientierung spürbar, die der geforderten Nutzfunktion im Wege stand: Kontraste zwischen dicken und dünnen, zwischen matten und glänzenden Fäden waren oft ästhetisch bedingt und beim Gebrauch eher hinderlich.        

1927 übernahm Gunta Stölzl als "Jungmeisterin" die Leitung der Werkstatt, wenn auch mit weniger Rechten als ihre männlichen Kollegen. Sie richtete nicht nur die Werkstatt in Dessau völlig neu ein, sondern erarbeitete auch einen achtsemestrigen Ausbildungsgang, der mit einem Lehrvertrag begann und mit einer Gesellenprüfung - ab 1929 mit dem Diplom - abgeschlossen werden konnte.

Die Werkstatt experimentierte jetzt auch mit synthetischen Fasern wie Cellophan, aber auch mit Kunstseide, die damals den gesamten Textilmarkt revolutionierte. Für die Stahlrohrstühle wurde das robuste Eisengarn entwickelt.