Bauhaus and me, Foto: Catrin Schmitt

Bauhaus and me

Berliner Schüler tanzen das Bauhaus

Schülerinnen und Schüler in Berlin-Spandau haben sich fast drei Monate lang mit dem Leben und Werk der Menschen beschäftigt, die am Bauhaus gelehrt und gelernt haben. Zusammen mit der Choreografin Jo Parkes haben sie daraus ein Tanzstück entwickelt. Die Berliner Bauhaus Agentin Friederike Holländer hat das Projekt zusammen mit Jo Parkes im Rahmen des Bauhaus Agenten Programms konzipiert, das das Bauhaus-Archiv in Berlin auf Initiative der Kulturstiftung des Bundes umsetzt. Wir haben Jo als Projektleiterin und die Schüler Alicia, Osman und Kaan nach ihren Erfahrungen gefragt.

„Bauhaus and me“ war 21. Januar 2019 bei 100 jahre bauhaus. Das Eröffnungsfestival in der Akademie der Künste am Hanseatenweg zu sehen.


Etwas Revolutionäres, Schönes, Gemeinschaftsvolles

Alicia, 17 Jahre, Osman, 17 Jahre und Kaan, 18 Jahre, besuchen die 12. Klasse der Bertolt-Brecht-Oberschule in Berlin-Spandau und haben im Wahlfach Darstellendes Spiel das Tanzstück „Bauhaus and me“ mitentwickelt. Hier erzählen sie uns, ob sie vor hundert Jahren gern dabei gewesen wären, was man vom Bauhaus heute noch lernen kann und wie ein Museum sein sollte, in das man gerne geht.

Woran dachtet ihr vor dem Projekt, wenn ihr „Bauhaus“ gehört habt?

Osman: Also ich dachte, es ist so etwas wie Obi hier drüben, mit Pflanzen oder mit Sachen für die Wohnung.

Alicia: Ich hatte schon vorher davon gehört, deswegen hatte ich mir schon gedacht, dass es in Richtung Kunst geht, aber konnte mir noch nicht so viel dabei vorstellen.

Kaan: Ich kenn Bauhaus auch eher vom Baumarkt – da bin ich oft mit meinem Vater –, und als ich davon gehört hab, dachte ich: Kriegen wir jetzt Spachtel in die Hand, dass wir damit rumtanzen sollen oder so? (lacht)

Woran denkt ihr jetzt beim Wort Bauhaus?

Alicia: Wenn ich jetzt vom Bauhaus höre, dann kommt schon die Verbindung mit diesem Bauhaus, und dann muss ich an etwas Revolutionäres denken, woran viele Menschen teilhaben – etwas Schönes, Ge-meinschaftsvolles. Viele Menschen, die alle Interesse an der Kunst haben und die etwas zusammen ma-chen. Es hat so viele Menschen erreicht.

Osman: Am Anfang hab ich an den Baumarkt gedacht, aber jetzt denke ich an die Geschichte, denn die verkörpern wir in unserem Stück. Und wir wissen auch, wie die Menschen gelitten haben und was sie opfern mussten, um das zu werden, was sie heute sind. Wir haben viel recherchiert – dass das Bauhaus auch im Ausland aktiv war, zum Beispiel. Ich kann jetzt viel mehr anfangen damit.

Kaan: Also wenn ich jetzt an das Bauhaus denke, kommt mir ein riesiges Gebäude in den Kopf und ein Museum. Ganz viele Ausstellungstücke und die Geschichte der einzelnen Leute, die damals dabei waren, die dort erzählt wird … etwas sehr Großes.

Alicia: Obwohl es ja schon eine ganze Weile her ist, dass man an dieser Schule gearbeitet hat und es inzwischen ja auch ein Archiv dazu gibt, denke ich trotzdem an etwas Modernes, das seiner Zeit voraus war.

Was haltet ihr vom Bauhaus – wärt ihr damals gerne dabei gewesen?

Osman: Wenn wir damals dabei gewesen wären, wär es bestimmt noch spannender gewesen, man ist eben richtig in der Materie drin. Und jetzt spielen wir die Geschichte nur nach. Ich würd’s eigentlich schon besser finden, wenn wir das damals schon mitgemacht hätten.

Was hättest Du damals gerne gemacht?

Osman: In der Metallwerkstatt hätte ich gerne gearbeitet.

Kaan: Also ich bin zufrieden, dass ich da nicht dabei war. Es war etwas sehr Schönes, finde ich, aber sie haben auch schlechte Sachen erlebt, so etwas wie die Nazizeit würde ich nicht gerne miterleben, oder in ein Konzentrationslager gebracht zu werden. Das wäre es mir nicht wert gewesen, damals zu leben.

Alicia: Gäbe es das Bauhaus heute, oder vielleicht ein bisschen früher, würde ich auf jeden Fall dahingehen, weil dort auch Geschlechterrollen gebrochen wurden. Und man dort einfach viel weiter war, als man es zu dieser Zeit eigentlich war. Das klingt so, als würden wir heute doch in einer besseren Zeit leben – können wir froh sein, heute zu leben?

(Einstimmig): Ja!

Trotzdem: Seht ihr Parallelen zwischen der Zeit der Bauhäusler und unserer?

Alicia: Diese Selbständigkeit der Künstler, also der Studenten, und dieses Weiterdenken – im jungen Alter schon so selbständig zu sein und wirklich etwas zu erschaffen und nach außen zu bringen, an Leute zu bringen – das ist schon eine Parallele zu heute, finde ich. Weil das ganz viele Jahre vielleicht nicht so war, dass die jüngere Generation was gemacht hat. Aber das kommt jetzt wieder, dass mehr jüngere Leute diesen Aufschwung erleben und mehr erschaffen.

Osman: Ich glaube, ein paar Parallelen gibt’s wirklich, aber die Zeit früher mit heute zu vergleichen ist schwer.

Kaan: Heute gibt es viel Technik und viel mehr Möglichkeiten, damit etwas zu erschaffen. Aber ich denke, damals hat man damit mehr Spaß gehabt, weil’s anstrengender war und weil man sich damit noch tiefer beschäftigt hat, als wenn man nur was antippt oder mit dem Computer zeichnet.

Was hat euch am Projekt am meisten Spaß gemacht?

Alicia: Am interessanten fand ich, wie wir uns entwickelt haben. Dass wir in den ersten paar Proben lang-samer an die Sache herangegangen sind, damit wir uns wirklich damit beschäftigen. Dass man immer mehr sieht – unser Stück haben wir seit Oktober geprobt – und dass wir jetzt immer mehr ins Detail gehen.

Kaan: Es ist halt eine Abwechslung zum normalen Schulunterricht, auch was ganz anderes als der DS-Unterricht, weil wir das Stück ja vorführen werden, das hat man immer im Hinterkopf. Ich find’s auf jeden Fall sehr abwechslungsreich, weil wir auch selber Ideen einbringen durften und nicht nur die Vorgaben des Lehrers umsetzen. Das hat Spaß gemacht.

Osman: Also als wir das Projekt angefangen haben, haben wir viel theoretisch gemacht, viel selber raus-gefunden über die Geschichte des Bauhaus. Das war am Anfang nicht so spaßig, find ich, aber danach fand ich’s gut, dass wir uns so als Gemeinschaft näher gekommen sind. Das hat mir besonders gefallen. Ich zum Beispiel kam von einem anderen Kurs und im Laufe der Zeit sind wir zusammengewachsen, jetzt kann man sich freier bewegen und freier sprechen.

Was fandet ihr doof?

Kaan und Osman: Das mit der Theorie (lachen).

Alicia: Es ist eben immer Wiederholung und Wiederholung, was normal ist beim Proben. Aber das ist nach einer Weile sehr anstrengend. Alles, was passiert, ist so intensiv, und man will das auch nicht irgendwie hängen lassen. Wenn man den Tod im Zweiten Weltkrieg darstellt, möchte man nicht wie so’n Lappen da hängen. Deshalb ist es halt Arbeit und auch eine Verantwortung, das dann so zu tragen und wirklich hundert Prozent zu geben.

Findet ihr, dass man an der Schule genug fürs Leben lernt?

Osman: Wir lernen auf jeden Fall etwas in vielen Bereichen. Ob wir jetzt alles brauchen, ist eine andere Frage … Wir lernen auf jeden Fall viel.

Und beim Projekt?

Kaan: Eben das Arbeiten in der Gemeinschaft, dass man dann besser wird.

Osman: Dass man mehr vorankommt, wenn man gemeinsam an einer Sache arbeitet.

Alicia: Was mir wirklich fürs Leben geholfen hat, ist die Inspiration, die ich bekommen hab. Ich hab mir ein paar Reden angeguckt. Das, was die Menschen schon damals gesagt haben, über Kunst und über Künstler, das ist das Denken, das ich mir heute von manchen Künstlern wünsche. Das ist sehr inspirierend: Man selbst zu sein, auch wenn man wahrscheinlich nicht grad in diese Zeit passt, aber trotzdem weiterzumachen und so auch weiterzukommen.

Was erwartet ihr von einem Bauhaus-Museum?

Osman: Also auf jeden Fall die Geschichte – wie das Bauhaus entstanden ist. So einen Zeitverlauf, wie sich’s entwickelt hat und wie es jetzt ist.

Kaan: Ich würde mir wünschen, dass man, wenn man das Museum betritt, mit der Zeit mitgeht. Oft ist es ja so, dass da nur Ausstellungsstücke sind und man liest den Text. Das finde ich sehr langweilig, deshalb geh ich auch nie ins Museum. Aber wenn man die Atmosphäre erleben kann, Stimmen hören kann von damals, das fände ich interessant. Dass man nicht alles lesen muss, sondern es durch die Atmosphäre mitbekommt.

Osman: Und Musik! Wie bei der Tür (Anm. d. R.: eine Szene im Stück). Die Musik, die wir dazu haben – die ist ja heutzutage auch nicht gängig.

Alicia: Ich würde erwarten, dass viel gestaltet ist. Dass man nicht einfach etwas hinstellt und sagt: So, das ist von dieser Person und das ist das und das, sondern dass alles ineinander übergeht, was auch zum Bauhaus passen würde, weil auch da alles ineinandergeflossen ist. Dass man viel über die Menschen, die Schüler und Lehrer, erfährt – ihre Biografien, was sie dachten.

Kaan: Man sollte es auf jeden Fall spannend gestalten, so dass man schon von Anfang an gespannt ist, was als nächstes passiert.

Fragen: Therese Teutsch / Bauhaus-Archiv

Wir bauen! Renovation!

Unser Museum wird umgebaut. Besuchen Sie uns im temporary.

Our museum is under construction. Visit us at the temporary.