Ricarda Schwerin
Ricarda Schwerin wird am 30. Januar 1912 als Ricarda Melzer in Göttingen geboren. 1930 beginnt sie ihr Studium am Dessauer Bauhaus, erst in der Reklamewerkstatt, dann in der Bau- und Ausbauabteilung. 1931 wechselt sie in die Fotografieklasse von Walter Peterhans. 1932 lernt sie den Architekten Heinz Schwerin kennen. Beide engagieren sich in der „Kostufra“, der kommunistischen Studierendenvereinigung. Wegen einer Protestaktion gegen den Direktor Ludwig Mies van der Rohe werden sie vom Bauhaus verwiesen und ziehen nach Frankfurt. Ricarda Schwerin studiert dort an der Schule für freie und angewandte Kunst. 1933 muss das Paar aufgrund ihres politischen Engagements aus Deutschland fliehen, zunächst in die Schweiz, dann nach Ungarn. 1935 emigrieren sie nach Palästina. In Tel Aviv gründen sie 1936 die Firma „Schwerin Wooden Toys“, die Holzspielzeug herstellt. Ricarda Schwerin fotografiert die Produkte für Kataloge und Werbematerial. 1948 verliert sie ihren Ehemann im Palästinakrieg. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern muss sie ihre Firma aufgeben. Sie gründet in Jerusalem ein privates Säuglingsheim für Flüchtlingskinder. 1955 lernt sie den Fotografen Alfred Bernheim kennen und beginnt wieder professionell zu fotografieren. Im gemeinsamen Studio entstehen zahlreiche Porträts bedeutender Persönlichkeiten, darunter von Golda Meir und Hannah Arendt. Nach Bernheims Tod 1974 führt Schwerin zunächst das Studio weiter und arbeitet dann als Tourist*innenführerin. Ricarda Schwerin stirbt am 29. Juli 1999 in Jerusalem.

